Spaziergänger entdecken Pelikan in Dinslaken auf der Emscher

Hier fühlte er sich offenbar wohl. Ein Pelikan auf der Emscher in Dinslaken.
Hier fühlte er sich offenbar wohl. Ein Pelikan auf der Emscher in Dinslaken.
Foto: Claves / privat
Was wir bereits wissen
Bislang weiß niemand, wo der Wasservogel herkommt. Tierparks in der Region vermissen keine Tiere. Nun wurde der Zoo Duisburg um Hilfe gebeten.

Dinslaken.. Die Sonntagsspaziergänger an der Emscher trauen ihren Augen nicht: Ein Pelikan schwamm auf dem Gewässer, fischte seelenruhig nach Leckerchen, ließt sich fotografieren und filmen. Ob sich der Vogel verflogen hat, aus einem Zoo oder einer privaten Haltung ausgebüxt ist oder ob es sich möglicherweise um „Camilla“ handelt, den Rosapelikan, der vor eineinhalb Jahren in Wesel Kurzurlaub machte – das konnte bislang nicht geklärt werden. Heimisch ist das Tier am kühlen Niederrhein jedenfalls nicht – die imposanten Wasservögel leben in wärmeren Gefilden wie dem Balkan, Australien, Afrika, Amerika.

Ob man in Duisburg zufällig einen Pelikan vermisse, fragten die Behörden am Wochenende den dortigen Zoo. Weil dort alle Rötelpelikane vollzählig sind, startete der Zoo eine Rundfrage bei sämtlichen Zoos der Umgebung. Vergeblich. Möglicherweise, so Zoo-Biologe Volker Grün, ist das Tier aus einer privaten Haltung entwischt.

„Unsere Pelikane“, so Grün, „sind standorttreu.“ Was nicht etwa daran liegt, dass die Tiere nicht wegfliegen könnten – sondern daran, dass sie im Zoo mit Futter versorgt und ihnen Feinde vom Leib gehalten werden. Wenn die Nahrung knapp werde, verlasse ein Pelikan seinen Standort, so Grün.

Polizei bat Zoo Duisburg um Hilfe

Die Polizei, die von Bürgern alarmiert wurde, habe den Zoo Duisburg um Amtshilfe gebeten, um das Tier einzufangen, so Grün. „Die Polizei ist ja eher ausgebildet, Verbrecher zu fangen“, schmunzelt der Biologe – weswegen bei ausgebüxten wilden Tieren der Tierpark um Hilfe gebeten werde. Doch bevor die Duisburger Fachleute sich auf den Weg machen konnten, hob der Pelikan an der Emscher ab. Im Laufe des Tages wurde er auch in der Rheinaue gesichtet.

Bereits 2013 schwamm Pelikan „Camilla“ in Wesel

Akut gefährdet sei der Vogel aufgrund des falschen Lebensraumes am Niederrhein laut Grün nicht. Die Zoo-Pelikane würden ebenfalls ganzjährig draußen leben. „Solange der Winter so bleibt und der Pelikan Nahrung findet“, macht sich auch Paul Schnitzler von der Biologischen Station Kreis Wesel keine allzu großen Sorgen um das Tier.

Er erinnert an „Camilla“, einen Rosapelikan, der den Sommer 2013 in Wesel verbrachte – und sich dort offensichtlich wohl fühlte. Ob es sich bei dem Dinslakener Gast um „Camilla“ handeln könnte, „das kann ich nicht sagen“, so Schnitzler. Zwar habe der Pelikan auf der Emscher kein rosafarbenes Gefieder gehabt. Allerdings sei auch „Camilla“ eher hellrosa gewesen und die Farbe auch eine Folge der Ernährung.

Vogel könnte Autofahrer gefährden

Gefahr könnte Vogel und Menschen allerdings drohen, wenn das Tier vor ein Auto fliege oder plötzlich über die Straße laufe, so Volker Grün. Immerhin kann ein Pelikan bis zu 13 Kilogramm wiegen.

Der Biologe des Duisburger Zoos rät Bürgern allerdings dringend davon ab, den Pelikan einfangen zu wollen. „Das wäre Stress für ihn.“ Und zudem ein zweckloses Unterfangen: „Der Pelikan ist voll flugfähig.“