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Spannende Archäologie

23.02.2013 | 00:19 Uhr
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Voerde. Spannende Geschichte, lebendig erzählt und zum Schluss mit einer mehr als stichhaltigen Indizienkette belegt: Vor einem beeindruckend großem Publikum ließ Dr. Rudolf Aßkamp, Leiter des LWL-Römermuseums Haltern, am Donnerstag im Rathaussaal Voerde das Leben an der Lippe in den Zeiten von Kaiser Augustus, Varus und Arminius aufleben. Anschaulich, reich an Fakten und mit so mancher Überraschung aus der neusten Forschung der Archäologie.

Germanien um 12 v. Chr. Ein unwirtschaftliches Gebiet. Nachdem, wohl aus der Not heraus, einzelne Banden bis nach Belgien vordrangen, um dort Römerlager zu überfallen, kehrte Augustus den Spieß um. Die Römer zogen zur Eroberungen der rechtsrheinischen Gebiete aus. Wie es ausging, ist bekannt und legendenumwoben: Arminius fügte Varus 9 n. Chr. eine verheerende Niederlage zu. „Der Anfang vom Ende“, so Aßkamp. Nach tausenden von Toten beendete Kaiser Tiberius bis 16 n. Christus das fatale Unternehmen Germanien.

Rätsel um Aliso

Ganz Rom in Germanien von den Horden Arminius vernichtet, möchte man frei nach „Asterix“ sagen: Nein, ein einzelnes Lager schaffte es, Widerstand zu bieten. Der 19. Kohorte gelang es, Aliso zu halten. Aliso, ein befestigtes Römerlager, geografisch irgendwo in Rheinnähe an der Lippe gelegen. Wo, darüber konnte 2000 Jahre lang nur gerätselt werden. Doch der Verdacht, den die „Creme de la Creme“ der deutschen Archäologie aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg bereits hegte, darf nun aufgrund von archäologischen Hinweisen in Kombination mit antiker schriftlicher Überlieferungen als gesichert angenommen werden. 2014 wird bei Haltern ein Römerpark im Stil von Xanten eröffnet: Und dieser wird offiziell Aliso heißen.

Das, so Aßkamp, bestuntersuchteste Römerlager nördlich der Alpen zeichnete sich nicht durch die Truppengöße, sondern durch Qualität aus: Die als Atriumhäuser angelegten Fachwerkbauten waren offensichtlich für Führungskräfte in Militär, Verwaltung und Logistik bestimmt, der Bau von großen Grabdenkmälern weist auf langfristige Planungen für das Lager (12 v. Chr. - 16. n. Chr.) hin.

Einige von ihnen sind zerstört und überbaut worden – ein Tabu für Römer, was nur durch Zerstörung durch Germanen erklärt werden kann. Dann fand man in einem zugeschütteten Tonofen vor den Toren des Lager ein Massengrab. Das Strontium-Isotopenverhältnis in den Zähnen von vier der 24 Skelette beweist, dass diese Männer aus dem Schwarzwald und aus Böhmen stammten: Verbündete des Arminius. Steine und Pfeilspitzen an der Südwand des Lagers, aber keine Spuren der Zerstörung hinter den Wällen. Und dann ein Fund, der die 19. Kohorte in Haltern nachweist.

„Entscheiden Sie nun selbst, ob Sie Haltern für Aliso halten“, wandte sich Aßkamp an die Hörer in Voerde. Als habe er noch Raum für Zweifel gelassen.

Bettina Schack

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