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Kreistierschau

Schönheit in schwarzbunt

18.06.2012 | 09:00 Uhr
Schönheit in schwarzbunt
Emma präsentiert ihr Kälbchen.Foto: WAZFotoPool/Peggy Mendel

Hünxe. Schönheit ist Funktionalität. Dieser Satz gilt nicht nur für gutes Design. Er gilt am Sonntag auch für Kühe.

120 schwarzbunte und rotbunte Holsteinkühe wurden bei der Kreistierschau auf dem Glückauf-Hof in Hünxe-Bucholtwelmen den Preisrichtern vorgeführt. Es war einer der Hingucker der bei schönstem Wetter bestens besuchten, erstmals an einem Sonntag stattfindenden Schau im Vier-Jahre-Turnus, in die neben Rassendemonstrationen von Fleischrindern und Schafen, Infoständen vom Nabu, Kreisimkerverband und einer Gewerbeschau auch die jährliche Stuten- und Fohlenschau eingebettet war.

Ein besonderes Vergnügen war das Ferkelrennen, das die Jugendlichen des Musikvereins Auwel-Holt aus Straehlen organisiert hatten. Sie ließen die Sau raus und verpassten dem Schweinenachwuchs Politikernamen: „Norbert Röttgen“ lag lange vorn, zum Schluss des Rennens um 12.30 Uhr hatte aber dann doch „Bärbel Höhn“ die Nase, pardon, den Rüssel vorne.

Ein paar Meter weiter blöken Schafe. Besonders die schwarzen Lämmer, ob im Streichelzoo oder als Nachwuchs der Grauen Heidschnucke ziehen die Blicke von Groß und Klein auf sich. Bei der Kreistierschau findet man sie wirklich, die schwarzen Schafe vom Niederrhein.

Holstein Kühe gibt es in rotbunt und in schwarzbunt, bewertet werden sie getrennt. Die Kriterien für die schönste Kuh sind jedoch dieselben. Schnell lernt man, es kommt vor allem aufs Euter an: Milch wird bei Milchkühen groß geschrieben.

„Fundament“ und „offene Rippe“

Und das im Kreis Wesel nicht von ungefähr. Mit 22 500 Kühen in 320 Milch produzierenden Betrieben belegt der Kreis den Platz 3 in NRW, erklärt Gerd Luyven, Vorsitzender der Kreiszüchterzentrale. Hauptabnehmer der örtlichen Produktion in der von globalen Zusammenhängen bestimmten Milchwirtschaft sind Muh, Campina, Eifelperle und Walhoven. Die Milch des Kreises geht damit zum größten Teil nach Rheinland-Pfalz, bevor sie vielleicht in die Supermärkte vor Ort zurückfließt. Eine kleinere Menge hiesiger Milch ist auch Käse: belgischer Käse des gehobeneren Preissegments.

Eine Milchkuh wird zweimal am Tag am Milchstand gemolken. Wird ein Melkroboter verwendet sind es drei- bis viermal, vielleicht sogar fünfmal am Tag. Das Euter muss etwas aushalten. Deshalb achten die Preisrichter beim Schönheitswettbewerb nicht auf die Tönung des Fells oder auf die langen Wimpern über großen Kuhaugen. Aufs Euter kommt es an, auf die Festigkeit und auf den geraden Strich (die Milchdrüsen bei einer Kuh). Das Becken muss breit sein. Nicht nur, um einmal im Jahr problemlos kalben zu können, sondern auch, damit das Euter breit sein kann. Das hängt nämlich bei schmalen Kühen zu schnell durch und bedeutet ein kurzes Leben.

Wichtig ist auch das „Fundament“, sprich Beine mit trockenen Knochen und korrekter Stellung für einen fließenden Bewegungsablauf und eine „offene Rippe“. Eine Holsteinkuh ist zwischen 145 und 156 Zentimeter hoch, sie muss, ganz funktional, auch eine dazu passende Breite und Tiefe haben. Die Aufgabe der Kuh ist es, durch Stoffwechsel Futter in Milch zu verwandeln, die „offene Rippe“ bestimmt sozusagen das „Fassungsvermögen“ der Kuh.

Eduna, eine Holsteinkuh von Karl-Heinz Arden aus Wesel Bislich gewinnt die Siegerauswahl rotbunt. Der Preisrichter lobt die Jugendlichkeit der Kuh. „Und schauen Sie sich das Hintereuter an, da will man doch wieder selbst melken!“ Der Schönheitswettbewerb für Kühe ist keine Laufstegveranstaltung, sondern schärft den Blick zur Verbesserung der Zuchtqualität. Sechs bis sieben Jahre wird eine Milchkuh im Schnitt, die älteste bei der Schau gestern war elf Jahre. Gerd Luyven erzählt, er habe eine 14-jährige Kuh im heimischen Stall. „Die ist auch richtig brav und zahm“.

Gesunde, fitte Kühe, das ist das Ziel der Zucht. „Ein längeres Leben, eine längere Nutzung. Davon profitieren beide Seiten“, so Nuyken. Und deshalb gibt’s für die Siegerin nicht nur eine Schärpe, sondern als Hauptgewinn eine Portion Qualitäts-Sperma.

Von Bettina Schack



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