Saunieren in Voerde wird wohl teurer

Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Stadt will handeln, weil die Ermäßigung bei Umsatzsteuer wegfällt. Auch Gebührenanhebung bei Büchereien steht zur Debatte.

Voerde..  Saunieren im Voerder Hallenbad wird wahrscheinlich teurer. Die Verwaltung schlägt der Politik eine Anhebung ab dem 1. Juli dieses Jahres vor. Die Tarife würden sich, sollte der Stadtrat in seiner Sitzung am 12. Mai dafür grünes Licht geben, wie folgt verändern: Für den Einzeleintritt würden künftig elf anstatt zehn Euro fällig, für den Fünfereintritt wären mit 48 Euro fünf Euro mehr als bisher zu zahlen, im Falle des Zehnereintritts beliefe sich der neue Saunatarif auf 90 Euro – was einer Anhebung um zehn Euro entspricht. Als erstes wird am Mittwoch, 22. April, der Kultur- und Sportausschuss über die vorgeschlagene Erhöhung beraten.

Einnahmeeinbußen kompensieren

Die Verwaltung verweist auf eine veränderte Rechtslage: Die Ermäßigung, die bis dato bei der Besteuerung der Umsätze aus Saunaleistungen galt, entfällt. Lag der Umsatzsteuersatz hierfür bislang bei sieben Prozent, greift nach Ablauf einer Übergangsfrist ab dem 1. Juli 2015 ein Satz von 19 Prozent. Anders als zuvor werden Saunaangebote nicht mehr als Heilbäder qualifiziert und unterliegen daher einer höheren Besteuerung. Finanziell wirkt sich dies nach Berechnungen der Verwaltung so aus, dass sich die Einnahmen aus dem Saunabetrieb pro Jahr um 1880 Euro reduzieren. Um diese drohende Einnahmeeinbuße, „insbesondere aufgrund der angespannten finanziellen Situation der Stadt Voerde, abzuwenden, sei eine Anpassung der Saunatarife des Hallenbades zur Kompensation erforderlich“, heißt es in der Vorlage. Dabei verweist die Verwaltung auch auf Wesel: Die dortigen Stadtwerke beabsichtigten nach eigener Information ebenfalls, mit einer Anpassung der Saunatarife auf die geänderte Umsatzsteuer zu reagieren.

Für die Errechnung der Umsatzeinbußen hat die Verwaltung im Zeitraum vom 1. Dezember 2013 bis 30. November 2014 die Nutzerzahlen in der Sauna erfasst: Demnach wurden 304 Einzeleintritte, 64 Fünfereintritte und 177 Zehnereintritte verkauft. Daraus resultierte eine Gesamteinnahme von rund 19 950 Euro, wovon sieben Prozent – 1305 Euro – auf die Umsatzsteuer entfielen. Ausgehend von einer gleichbleibenden Nachfrage der Saunagäste fiele bei einem erhöhten Satz von 19 Prozent eine Umsatzsteuer von 3185 Euro an.

Auch die Nutzung der Stadtbibliothek Voerde und der Stadtteilbüchereien wird möglicherweise ab 2016 teurer. So hat die Verwaltung eine „moderate Anpassung“ der Gebühren durchgespielt, wie Kämmerin Simone Kaspar es formuliert. Begründet wird die mögliche Anhebung mit Preissteigerungsraten bei Büchern und Medien. Die Nutzungsgebühren der Büchereien seien seit 2002 unverändert, Aufgabe der Verwaltung sei es, diese zu überprüfen, betont Kaspar. Die Verwaltung hat eine erste Modellrechnung erstellt. Demnach würde der Familienausweis künftig 16 Euro im Jahr kosten (aktuell 12,50 Euro). Erwachsene würden für ihren Jahresausweis elf statt acht Euro zahlen.

Die städtischen Finanzen sind in der Kultur- und Sportausschusssitzung (22. April, ab 17 Uhr im Rathaus, Zimmer 137) das zentrale Thema. So stehen der von der Verwaltung vorgelegte Etatentwurf und in dem Zuge die Liste mit möglichen weiteren Maßnahmen zur Konsolidierung des Haushaltes zur Beratung an.

Die Wirkung der Vorschläge, mit denen sich der Fachausschuss zu befassen hat, wäre tiefgreifend. So stehen im Bereich Kultur und Wissenschaft etwa folgende Streichungen zur Diskussion: Zuschüsse für die Fördervereine zur Führung der Stadtteilbüchereien ab 2017 (79 600 Euro), finanzielle Unterstützung des Karnevalszuges u.a. durch Dienstleistungen des KBV (12 000 Euro alle zwei Jahre) oder der Zuschuss für Kulturveranstaltungen der VHS (10 000 Euro in 2016, dann 20 000 Euro).

Im Bereich Sportförderung gilt es u.a. über die Schließung des Freibades oder alternativ eine Kostenreduzierung durch Übertragung von Aufgaben an den Förderverein zu beraten. Die Verwaltung sieht hier ein Einsparpotenzial von 110 000 Euro.