Satte Erhöhung bei Taxipreisen

Das Taxifahren im Kreis Wesel ist seit diesem Monat um rund ein Drittel teurer.
Das Taxifahren im Kreis Wesel ist seit diesem Monat um rund ein Drittel teurer.
Foto: IMAGO
Was wir bereits wissen
Wegen des Mindestlohns wurde die Beförderung im Kreis Wesel zum Monatsanfang um rund ein Drittel teurer. Fahrgäste sind teilweise erschrocken.

Dinslaken/Voerde/Hünxe..  Taxifahren ist teurer geworden. Seit 1. Februar sind Grundgebühr und Tarife im Kreis Wesel um knapp ein Drittel gestiegen. Eine Fahrt von Dinslaken nach Hünxe kostet nun etwa 24 statt 18 Euro. Hintergrund ist die Einführung des Mindestlohns.

Zwischen 6 und 6,50 Euro verdiente ein Taxifahrer bisher durchschnittlich – nun sind es 8,50 Euro. Da es im Taxigewerbe keinen Tarifvertrag repräsentativer Tarifparteien gibt, gab es hier keine Übergangsfrist bis Ende 2016 wie anderswo, so Holger Goldberg, Geschäftsführer der Fachvereinigung Personenverkehr Niederrhein.

Durch die Einführung des Mindestlohns mussten die Unternehmen Steigerungen der Bruttolöhne von 36 bis 41 Prozent kompensieren, so Goldberg. Weswegen der Kreistag in Wesel im Dezember einer Erhöhung der Tarife zustimmte. Die Grundgebühr etwa stieg von 2,80 auf 3,60 Euro, tagsüber kostet der Kilometer 1,90 Euro (bisher 1,45 Euro), nachts 2,10 Euro (bisher 1,65 Euro).

Eigentlich sollten die Änderungen ab 1. Januar gelten – da aber die Umstellung und Eichung der Taxameter so schnell nicht so machen war, wurde die Einführung auf 1. Februar verschoben, erklärt Ina Pospischil, Pressesprecherin des Kreises Wesel.

Damit die Kunden am Ende der Fahrt „nicht erschrecken“; so Christel Pech, Taxi Manni, „warnen unsere Fahrer sie schon beim Einsteigen vor.“ Denn ein Drittel mehr – diesen Unterschied bemerken vor allem die vielen Stammkunden. Nicht alle haben Verständnis. „Am Anfang musste ich die Leute darauf aufmerksam machen und sie waren geschockt, weil der Anstieg so hoch ist“, sagt Fahrer Onur Bayrakli, Taxi Erdogan. Celik Hayreth (Taxi Erdogan) machte hingegen die Erfahrung, dass viele Fahrgäste Verständnis zeigen: „Die Buspreise sind auch gestiegen. Die Erhöhung musste ja kommen wegen des neuen Mindestlohns.“

Diese Erfahrung haben auch die Fahrer von Taxi Reni gemacht. „Wir haben viele Krankenfahrten“, so Susanne Waclawek. „Gerade die älteren Leute erschrecken sich wegen der neuen Tarife.“ Und die Krankenkassen, so die Tochter des Familienunternehmens, übernehmen immer weniger Fahrtkosten. „Das können viele ältere Leute gar nicht bezahlen.“ Auf der anderen Seite bleibe auch für viele Taxiunternehmen nichts mehr über, wenn ein Fahrer 60 Euro in zehn Stunden einfahre, aber 8,50 Euro die Stunde bekomme.

Bei Taxi Reni hätten mehrere Fahrer gekündigt, weil das Familienunternehmen ihre Verträge umgeschrieben hat – von Vollzeit auf Teilzeit. Andere, wie Taxi Kastenholz, haben das Personal aufgestockt, weil die Fahrer für den selben Lohn weniger Stunden fahren. Hinzu kommen die Kosten für die Wagen – allein die Umstellung und das Eichen der Taxameter koste 130 Euro pro Taxi, so Susanne Waclawek. Hinzu kommt das Kneipensterben in Dinslaken. Mehrere alteingesessene Gaststätten haben in den letzten Monaten geschlossen – „das macht sich bei uns auch bemerkbar.“