Sakralkunst aus Dinslaken

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi

Dinslaken..  Der Dinslakener Kulturkreis und Sakralkunst? Dies ist eigentlich keine Assoziation, die sich sofort einstellt. Aber diese Einschätzung kann man wohl nach der Vernissage der Ausstellung „Ad paradisum deducant te angeli“ revidieren. Was seit Freitag in der Herz-Jesu-Kirche in Oberlohberg zu sehen ist, ist nicht nur ästhetisch, sondern auch inhaltlich beeindruckend. Eine lokale Kirchenkunstausstellung, das gibt es wirklich nicht überall.

Dechant Gregor Kauling selbst hat sich nach den großen Passionsausstellungen der letzten Jahre – man erinnere sich an den Kreuzweg in Lohberg oder die Otto Pankok-Ausstellung in Herz Jesu 201 – dafür ausgesprochen, dem Kirchenraum mit helleren Farben zu begegnen. Nun ist das Motto der Ausstellung, die gemeinsam vom Förderverein Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg und dem Kulturkreis Dinslaken organisiert wurde, von Theo Güldenberg dem Requiem von Gabriel Fauré entliehen. Aber in den Kunstwerken der 19 teilnehmenden Kreativen überstrahlt das Licht des Paradieses jeden Gedanken an den Tod. Seit den ersten Höhlenmalereien machen sich die Menschen ein Bild vom Jenseits, vom Himmel, von höheren Mächten, erläuterte Barbara Grimm auf der Vernissage. Sie durchwanderte die Kunstgeschichte von der Vorzeit über Stefan Lochner bis zu den paradiesischen Gärten eines Monets.

Was aber gibt es in der Herz-Jesu-Kirche zu entdecken? Kunst verändert Kunst: Engelsflügel von Rainer Höpken begleiten nicht nur die Texte von Ingrid Hassmann an der Orgelempore, sie werden auch zu Symbolen der Hoffnung auf der illuminierten letzten Station des Kreuzweges von Joachim Klos. Daneben erscheinen Engel im Chor: nach spätmittelalterlichen Vorbildern mit harten, kantigen Strichen umrissen von Barbara Grimm und nur in lichten Farben auf weißen Grund angedeutet von Ulrike Int-Veen.

Die Auferstehung machen Sandra Geise und Martina Reimann in leuchtendem Gelb sichtbar. Bei der ersteren verdrängt helles Licht die Schwärze des Todes, bei letzterer Strahl das Kreuz wie eine Sonne.

Wer bei Sakralkunst an bunte Kirchenfenster denkt, wird vom „Himmlischen Jerusalem“ von Bettina Wolf beeindruckt sein. Sie schuf die himmlische Stadt aus geometrischen Formen in Tiffany-Technik. Das weiße Glas setzt sie auf goldenen Untergrund, von der Stadt gehen Strahlen in Regenbogenfarben aus. Das Himmlische Jerusalem ist gebettet in himmelblauer Seide. Nach ihm strecken sich kreisförmig aus Silberdraht gebogene Hände aus, die aus den aus Holzasche geformten, „irdischen“ Häusern herausragen, die das Bild wie einen Rahmen umgeben. Eine perfekte Synthese aus Tradition und Mischtechnik mit einer deutlichen theologischen Aussage.

Die Bilder, Objekte und Installationen von „Ad paradisum“ laden bis zum 31. Mai zu Betrachtung und Meditation ein. „Man sollte sich Zeit und Ruhe nehmen, um die Bilder wirklich auf sich wirken zu lassen“, so Gregor Kauling. Die Kirche ist zu den Gottesdienstzeiten sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr und auf Anfrage geöffnet.