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Rundgang mit einem Unbekannten

12.09.2008 | 19:02 Uhr

HISTORIE. Eduard Sachtje verkörpert als Stadtführer den Landrat Julius Heinrich von Buggenhagen, von dem es kein Bild gibt.

DINSLAKEN. Hoch aufgerichtet, schwarzer Zylinder, schwarzer Gehrock, graue Hose, Spazierstock, Rundbrille - wahrlich ein stattlicher Mann, der Julius Heinrich von Buggenhagen, seines Zeichens Landrat und geheimer Kriegsrat. Leicht grau meliertes Haar, ein gepflegter angegrauter Bart, das Lächeln, mit dem er seine Besucher an der Mausoleumstür im Museum Voswinckelshof empfängt, versprüht Charme. "Es gibt keine Bilder von Buggenhagen", erzählt Eduard Sachtje, der seit den DIN-Tagen den ehemaligen Dinslakener Landrat verkörpert. "Also nehmen Sie mich als Abbild. Ich bin der gutaussehende, charmante Kerl. Wen interessiert da, wie Buggenhagen wirklich ausgesehen hat?"

Immer Streit mit den Altstädtern

Die Lacher sind "Stadtführer" Sachtje gewiss. Es wird im Verlauf der neuen Stadtführung noch einiges zu Schmunzeln geben, dazu ernsthafte, handfeste Dinslakener und Buggenhagener Geschichten, die Sachtje in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen hat. Bekannter als das Leben Buggenhagens, der 1768 bei Cottbus geboren wurde und als Landrat 1802 in die Stadt kam, ist die Mausoleumstür. Die stammt vom Gut Bärenkamp, von dem heute nur noch der Name zeugt. Des Landrats Sohn Melchior Julius ist übrigens der Letzte, der seinerzeit dort in der Familiengruft beigesetzt wurde.

Vom Museum aus geht es durch die Duisburger Straße zum ehemaligen Walsumer Tor, hinaus vor die Altstadt zu den Drei Kreuzen und von dort zum Haus des DRK. Die Grünanlagen zwischen Rennbahn-Parkplatz und Rotem Kreuz haben einst zum Haus Bärenkamp gehört. Und wie das so ist mit den hochherrschaftlichen Leuten, erzählt von Buggenhagen seinen Gästen, gab es immer wieder Streit zwischen den Altstädtern und den Herren vom Bärenkamp. 1273 war es, als Graf Dietrich den Dinslakenern den Averbruch schenkte. Die einzige Verbindung von der Altstadt dorthin führte über das Rittergut. Das stank den Besitzern gewaltig, sie ließen Tore anbringen, die Altstädter bauten sie ab.

Einer der Vorbesitzer hatte die Idee mit den Heisterbüschen. Einmal gepflanzt, durften nämlich auf Befehl des Königs keine Bäume oder Sträucher ausgegraben werden. Doch was scherte die Dinslakener der ferne König, kaum eingegraben, waren die Heister wieder ausgegraben. Doch diesmal wurden die Verantwortlichen mit einer Attentatsklage gegen den König bedacht. Was daraus wurde, ist leider nicht bekannt. Buggenhagen hingegen gestattete den Durchgang je nach Laune. "Oder wie gut ich geschmiert wurde", verrät der Landrat.

Erfinder der Schülernachhilfe

Kurzweilig ist der Rundgang, der weiter zu den beiden Kirchen, dem Kloster und zum Kastell führt. Viel Merkwürdiges ist dabei zu hören. So stellt Buggenhagen fest, dass er es war, der eigentlich die Schülernachhilfe erfand. "In Dinslaken gab es zu meiner Zeit keine Gymnasien. Also stellte ich den Lehrer Hardenberg als Privatlehrer für meine Kinder ein. Als wir nach Duisburg zogen, entfiel seine Tätigkeit, doch der arme Hardenberg wäre arbeitslos geworden, hätte ich nicht die Idee mit dem Nacharbeiten gehabt."

Humorig gibt er Stadtgeschichtliches zum Besten, was nicht zu seiner Zeit war oder noch nicht sein konnte, wird halt aus seiner Sicht erzählt. So schreibt er sich den Parkplatz vor dem Kino auf seine Fahnen. Wie das? Immerhin starb Buggenhagen im Jahr 1827. Da wurde noch nicht einmal ein Gedanke an Autos verschwendet. Nun muss man aber wissen, dass früher auf diesem Parkplatz und der Grünfläche jenseits der Hans-Böckler-Straße Beerdigungen stattfanden. Buggenhagen hatte die Beisetzung innerhalb der Stadt gestoppt und den Friedhof vor die Tore der Neustadt gelegt. Mit allen militärischen Ehren, wie sich das mit seiner Tätigkeit als geheimer Kriegsrat verband, sollte der erste Tote dort beerdigt werden.

Böllerschüsse für Oma Möllmann

"Ich konnte doch nicht ahnen, dass die alte Oma Möllmann als erste den Löffel abgibt, ähm, traurig verschied", erzählt Buggenhagen den staunend zuhörenden Gästen. "Aber ich hatte es nun einmal versprochen. Die alte Witwe wurde in der Altstadt abgeholt, in allen Ehren und mit einem Trauerzug durch die Stadt geleitet. Ehrenwache und Böllerschüsse am Grab folgten."

Und so kam die gute Oma Möllmann zu einem feudalen Begräbnis und zu einem Bekanntheitsgrad über alle Zeiten hinaus, den sie so zu ihren Lebzeiten nie hatte.Eduard Sachtje wird demnächst auch wieder als Nachtwächter Heinrich Denkhaus die Straßen der Stadt durchstreifen. Denn nur, wenn die Dunkelheit sich über die Stadt legt, fängt der Dienst eines Nachtwächters an. Wer mehr über beide Persönlichkeiten wissen möchte, klickt sich unter www.von-buggenhagen.de und www.nachtwächter-dinslaken.de ein.

BIRGIT GARGITTER

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