Roter Baum in weißen Brettern
08.06.2011 | 18:31 Uhr 2011-06-08T18:31:00+0200Dinslaken.Sechs Monate nach dem Ende des Kulturhauptstadtjahres ist Leben in den Kunstkiosk 422 an der alten Zechenmauer in Lohberg zurückgekehrt. Eine riesige Baumwurzel breitet sich in der Bretterbude aus. Doch das Dach wird heil bleiben. Die knallroten Ranken hat die Kölner Künstlerin Monika Odenthal in wochenlanger Kleinarbeit aus samtigem Stoff genäht. „Und das ist rot.“ heißt die Installation, mit der die zweite Saison des Kunstkiosks nach 2010 beginnt.
„Rot ist Signalfarbe, Leben, Adern“, sagt Monika Odenthal, die Modedesign und Kunst mit den Schwerpunkten Grafik und Installation studierte und freie Künstlerin und Kostümbildnerin fürs Theater arbeitet.
Verlorene Monate ohne
Planungssicherheit
„Der Baum prägt die Landschaft, steht fest verwurzelt da. Die roten Wurzeln stehen für das Alte, für die Bergbauvergangenheit und zugleich für den Wandel, das Kreativ.Quartier, den geplanten Bergsee“, so Odenthal, die wie ihre Künstlerkollegin und Kioskbetreiberin Britta L.QL in Köln-Ehrenfeld lebt. Der Kontakt zwischen den beiden ist jedoch so verästelt wie das rote Stoff-Rankwerk im Kiosk. Monika Odenthal erfuhr von einer befreundeten Segelmacherin aus Voerde vom Kiosk, beim Kennenlernen stellten die Künstlerinnen fest, dass sie quasi Nachbarinnen sind.
Kultur nach 2010. Beim Gespräch schimmert es durch, dass sich Britta L.QL die Fortsetzung des überregional beachteten Projektes nach der Euphorie des Kulturhauptstadtjahres reibungsloser vorgestellt hat. Zwar signalisierte die Stadt schon im letzten Herbst, dass ihr an der weiteren Bespielung des alten Büdchens gelegen sei. Doch erst die Kulturausschusssitzung Ende Mai brachte Planungssicherheit. Verlorene Monate.
Die jetzige Ausstellung sollte bereits vor vier Wochen beginnen. Termine mussten verschoben, Veranstaltungen konnten nicht geplant und Künstler mussten vertröstet werden. Dann stellte Britta L.QL auch noch fest, dass die Stadt nicht mehr die Versicherung bei Veranstaltungen übernimmt. Das Forum Lohberg, das den Kiosk bereits 2010 begleitete und unterstützte, springt nun bei diesem Kostenfaktor ein. Denn Britta L.QL möchte das Angebot für Besucher weiterhin ohne Eintrittsgelder offenhalten. Doch wird man künftig früher oder später auf deren Spendenbereitschaft angewiesen sein.
Mit der späten Planungssicherheit durch Verwaltung und Politik verschob sich auch die Neubestückung des Artomaten. Welcher Künstler wäre schon bereit, auf Verdacht kreativ zu werden und Editionen zu schaffen? Ab dem 1. Juli können Schachteln für 5 Euro aus dem umdeklarierten Zigarettenautomaten neben dem Kiosk gezogen werden. Diese sind von diesem Jahr an auf zehn Objekte pro Künstler limitiert. Vergriffen ist vergriffen. Als erstes wird es passend zur Installation eine Edition von Monika Odenthal geben. Im letzten Jahr hatte sie sich mit dem Image des Rauchens auseinandergesetzt. Man zog Schachteln mit „Freiheit“, „Abenteuer“, „Genuss“ oder auch „Langeweile“: nur halt ohne Zigaretten. Womit sie ab 1. Juli den Artomaten bestückt, verriet Odenthal bei der Vernissage von „Und das ist rot.“ nicht. Nur so viel: „Äußerlich werden alle zehn Schachteln ähnlich gestaltet sein“.
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