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Rettungsdienst

Rettungsdienstler wollen nicht "Krankenwagenfahrer" genannt werden

13.01.2016 | 23:00 Uhr
Rettungsdienstler wollen nicht "Krankenwagenfahrer" genannt werden
Rettungsassistent Marco Cappell (46) aus Hünxe-Bucholtwelmen vor seinem Dienstfahrzeug, einem Rettungstransportwagen (RTW).Foto: Markus Joosten/Funke Foto Services

Hünxe/Oberhausen.   Rettungsassistent Marco Cappell bringt Licht in die Berufsstruktur des Rettungsdienstes und räumt mit dem falschen Begriff "Krankenwagenfahrer" auf.

Die Mitarbeiter des Krankentransportes und Rettungsdienstes haben es nicht leicht. „In den meisten Berichterstattungen ist immer nur vom Notarzt und dem Krankenwagen die Rede“, sagt Marco Cappell aus Hünxe-Bucholtwelmen.

Zugegeben sei die Berufsstruktur im Rettungsdienst sehr unübersichtlich. „So weiß kaum jemand, dass der Rettungsassistent in der Qualifikation höher gestellt ist als der Rettungssanitäter und auch vom Rettungshelfer mit Grundqualifikation im Rettungsdienst hat kaum einer gehört.“

Rettungsassistenten haben 3200 Stunden Ausbildung hinter sich

Marco Cappell ist Rettungsassistent. Der 46-jährige gebürtige Oberhausener möchte mit falschen Begriffen aufräumen. So gebe es die Berufsbezeichnung des Krankenwagenfahrers in Deutschland nicht: „Es heißt Fahrer auf dem Krankenwagen.“

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Täglich hätten die Mitarbeiter des Rettungsdienstes damit zu kämpfen, dass sie als Krankenwagenfahrer, Taxifahrer oder Menschen, die ihre Sozialstunden ableisten („Was machen Sie eigentlich hauptberuflich?“) tituliert werden“, weiß Cappell aus Erfahrung. So hätten etwa Rettungsassistenten eine notfallmedizinische Ausbildung hinter sich, die mehr als 3200 Stunden dauert. Das sei leider kaum bekannt.

„Zur Folge hat dies, dass im Einsatzgeschehen immer nach dem ‘Arzt’ gefragt wird und auch immer der ‘Krankenwagen’ gerufen wird“, so der Hünxer. In einigen Fällen käme es vor, „dass Mitbürger bestimmte Symptome vortäuschen, um einen Notarzt zu bekommen, der dann eine Heiserkeit oder langjährige Knieschmerzen behandeln soll“.

 

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Der Rettungsdienst werde „teilweise inflationär genutzt und fehlt im schlimmsten Fall an anderer Stelle. Die klassischen Notfalleinsätze seien Herzinfarkt, Schlaganfall oder Verkehrsunfall. „Nach spätestens zwölf Minuten muss der Rettungswagen am Einsatzort sein. Das ist gesetzlich festgelegt.“

Marco Cappell, verheiratet, zwei Kinder (11 und 14), weiß, wovon er spricht. Nach 15 Jahren Selbstständigkeit mit einem Sportbekleidungsgeschäft für Behinderte machte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger, arbeitete ehrenamtlich bei den Maltesern in Wesel. Vor acht Jahren dann die Ausbildung zum Rettungsassistenten.

„Die Ausbildung zum Rettungsassistenten gibt es heute nicht mehr, seit 1. Januar 2014 heißt es Notfallsanitäter , eine Aufwertung“, weiß der 46-Jährige, der seit fünf Jahren bei der Johanniter Unfallhilfe in Oberhausen fest angestellt ist – 24 Stunden Dienst, 48 Stunden frei. Fremde Leute und Umgebung, in Sekunden organisieren und helfen. Marco Cappell: „Ein anstrengender Traumjob, nicht immer familienfreundlich, aber nie langweilig.“

Peter Neier

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Rettungsdienstler wollen nicht "Krankenwagenfahrer" genannt werden
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2016-01-13 23:00
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