Rappelvoll und urkomisch

Füllten das Ledigenheim: Butterfahrt 5, das Akkordeonorchester 1980 Dinslaken/Oberhausen, René Steinberg und jede Menge Zuschauer.
Füllten das Ledigenheim: Butterfahrt 5, das Akkordeonorchester 1980 Dinslaken/Oberhausen, René Steinberg und jede Menge Zuschauer.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Butterfahrt 5 „kollidierte“ mit René Steinberg und dem Akkordeonorchester 1980 Dinslaken/Oberhausen.

Dinslaken..  Natürlich wird es Philipp Stempel im Laufe dieses Samstagabends noch oft durch die pure Lautstärke der Lacher und des Applauses hören. Aber eben nicht wörtlich. Und auf der Bühne kann man sich auf Grund der Lichtverhältnisse halt nicht am Anblick des gesamten Publikums erfreuen. Also lässt der Butterfahrt 5-Sänger alle Zuschauer das murmeln, was die Situation im Ledigenheim am besten beschreibt: „rappelvoll“. Zum zweiten Mal präsentierte das Musikcomedy-Quintett „Butterfahrt 5 kollidiert“. Der Erfolg der ersten Ausgabe und die Gäste am Samstag sorgten für ein restlos volles Haus.

„Nnjjjeeeiiihh“, er ist zurück. Seit dem 1. Januar ist Roland Pofalla bei der Bahn – und damit wieder im Programm von René Steinberg. Von der ersten Sekunde an schüttelt sich das Publikum vor Lachen. Über die schleimig-schlotternde Parodie des ehemaligen Kanzlerinnenberaters, über den „Friedhof der Nuscheltiere“, zu dem der „Tatort“ wurde, seit – „würde er doch seinem Nachnamen gerecht werden“ Schweiger unverständlich in Hamburg ist. Und warum wurde der Ruhrgebiets-Tatort nicht mit einem Typen von hier besetzt? René Steinberg hätte da ein paar Vorschläge: Jürgen Klopp verprügelt den Täter, Helge Schneider singt vor der Leiche ein fröhliches „mausetot, mausetot“ und Herbert Grönemeyer entdeckt als Mordwaffe „Flugzeug im Bauch“.

„Ein Leben ohne Blödsinn ist wie Löten ohne Lötzinn“ reimt René Steinberg. Aber es gibt einen Punkt, da versteht der Kabarettist aus Mülheim-Saarn keinen Spaß. Gar keinen. Und das ist, wenn es um den „King“, um Elvis, geht. Die Absicht ist klar. René Steinberg wird „Lonesome tonight“ singen und Butterfahrt 5 so lange mit ihm musikalisch kollidieren, bis er zu lachen beginnt. Hilfsmittel sind erlaubt, ab der zweiten Strophe kommen singende Sägen und Kuhglocken zum Einsatz.

Derartige „Kollisionen“ sind Konzept der Show. Butterfahrt selbst setzt bei den „nachgespielten Liedern“ auf derlei Verfremdung. Erst am Donnerstag trat mit Gregorianika ein Chor in Mönchskutten und einem Mix aus Pop und gregorianischen Choralgesang im Ledigenheim auf. Nun singt Butterfahrt 5 mit der Kerze in der Hand mystisch Einstimmiges. Der Text der „Mönche“: „Warum schickst du mich in die Hölle – Hölle, Hölle“. Vorab gab’s Jonny Cash mit den Hits von Modern Talking.

„Sarko-Style“

Aber hat das Publikum im rappelvollen Saal nicht auch ein Anrecht auf den Genuss anspruchsvoll dargebotener Klassiker. Es hat. Und dafür ist das Akkordeon Orchester Dinslaken / Oberhausen da. Nur der Dirigent fehlt. Philipp Stempel sucht einen echten Freiwilligen, aber keiner traut sich. Der gezwungene „Freiwillige“ aus der Mitte des Saales heißt Johannes, manövriert das Orchester zunächst vom Platz aus durch das Stück und stellt sich, bevor es richtig zur Sache geht, vor die Musiker, die die Bühne und den gesamten Bühnenvorraum einnehmen.

Der Mann aus dem Publikum ist natürlich Dirigent Johannes Burgard selbst und das Stück Musikgeschichte, dass das exzellente Orchester spielt, die „Bohemian Rhapsody“ von Queen.

AC/DC mit dem Orchester, Stadionrock mit der Butterfahrt, Discobesuch mit Tanzdaddy Steinberg. Welches Feuerwerk sollte die Zugabe noch zünden, um dies zu toppen? René Steinberg verteilt Textbücher und macht Butterfahrt 5 zu den „Gendarmen“ von „Sarkozy de Funés“. „Sarko-Style“ im Ledigenheim, da rappelt es in der Kiste.