Puhdys rocken bis ins Rentenalter

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Eine der bekanntesten Rockbands der ehemaligen DDR stand beim „Summer of Love“ in der alten Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg auf der Bühne – und begeisterte ihr Publikum.

DInslaken..  Es ist voll geworden an diesem Abend in der Zentralwerkstatt. Mehr als 300 Besucher erwarten vor der Bühne den Auftritt der Puhdys. Die Rockband, 1969 gegründet, zählte zu den bekanntesten Vertretern ihres Genres in der DDR. Und als die Musiker mit dem Lied „Unser Schiff“ ihr Akustikkonzert eröffnen, reißen sie die Fans vor der Bühne sofort mit. Viele stehen von ihren Sitzplätzen auf, um vor der Bühne mitzutanzen und mitzusingen. Am Ende des Stücks gibt’s den ersten donnernden Applaus - es soll an diesem Abend nicht der letzte bleiben.

„Wir spielen heute etwas leiser als sonst, aber nicht weniger intensiv“, kündigt Sänger Dieter Birr von der Bühne aus an. Denn ihr Konzert in der Zentralhalle absolvieren die Puhdys als das letzte ihrer Akustik-Tour. Das äußert sich im Wesentlichen darin, dass Birr und Gitarrist Dieter Hertrampf mit Akustikgitarren auf der Bühne sitzen. Was Letzteren nicht davon abhält, bei einigen Stücken lupenreine Gitarrensoli aus dem Ärmel zu schütteln. Um das Klangvolumen müssen die Zuschauer allerdings nicht fürchten, hat sich das Quintett doch noch einige Gastmusiker zur musikalischen Unterstützung mitgebracht.

Gute Laune angesagt

Ansonsten ist vor und auf der Bühne vor allem gute Laune angesagt. Sänger Dieter Birr macht fröhlich Witze und klopft Sprüche. „Der Tod kann mich mal“, erklärt er zur Einleitung des Liedes „Mein zweites Leben“, bevor er sich an die Zuschauer wendet. „Sollen wir uns in 100 Jahren wieder hier treffen?“, fragt er und bekommt eine positive Rückmeldung aus dem Publikum. Dazu gibt es noch einen kleinen Seitenhieb in Richtung von Keyboarder Peter Meyer, der mit seinen 75 Jahren der Alterspräsident der Formation ist: „Ich glaube, er ist schon in seinem dritten Leben unterwegs“, erklärt Birr. Gelächter vor und auf der Bühne. Weiterrocken.

Das Programm, das sich die Puhdys für den Abend zusammengestellt haben, ist ein kunterbunter Streifzug durch die Bandgeschichte. Rockige Stücke, bei denen Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt einen treibenden Rhythmus vorgibt, treffen auf Balladen, dann gibt es wieder mittelschnelle Stücke zum mitsingen. Feierlaune trifft auf melancholische Liedtexte und musikalische Stimmungen. Bei „Hiroshima“, einer Coverversion des einzigen Hits der Band „Wishful Thinking“ wird es still in der Zentralwerkstatt. Gebannt lauscht das Publikum der sanften Musik, den Percussions und dem leicht asiatisch angehauchten Klang, bevor die nächste rockige Nummer die Partystimmung zurückbringt.

Und so spielen sich die Puhdys durch eine Auswahl ihrer Hits, begleitet vom Publikum, das fast alle Texte auswendig mitsingen kann, von „Alt wie ein Baum“ bis „Jegliches hat seine Zeit“. Das Quintett macht die Ankündigung aus dem eigenen Song „Rockerrente“ wahr: „Es ist keine Ente, wir spielen bis zur Rockerrente.“ Und ihre Zuschauer mögen diesen Einsatz der Altrocker auf der Bühne. Sie feiern alle Lieder der Altrocker mit, singen, tanzen und haben Spaß. Da ist es kaum verwunderlich, dass es zum Ende des Konzertes lautstarke Rufe nach einer Zugabe gibt.

Und natürlich bekommen die Fans vor der Bühne diese Extraportion Puhdys auch noch. Nach 46 Jahren auf der Bühne wissen die Bandmitglieder, was sie ihrem Publikum schuldig sind.