Pubertät auf der Bühne zwischen Komödie und Drama

Dinslaken..  Auf der Bühne schreien sich Wendla (Jaqueline Werner) und Melchior (Leon Hegemann) an. Das Mädchen hat nie erlebt, wie es ist, geschlagen zu werden und möchte diese Erfahrung nun mit Melchiors Hilfe machen. „Schlag mich!“, ruft Sie. Der Jugendliche weigert sich lautstark, ihrem Wunsch zu folgen. Nach einigen Provokationen greift der junge Mann zu einem Stück und schlägt auf die junge Frau ein. Das Licht auf der Bühne geht aus und Stroboskopblitze flackern zwischen den Schlägen auf. Die Szene gehört zu den intensivsten in dem Stück „Erwach(s)en“ das der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12 der Ernst-Barlach-Gesamtschule (EBGS) auf die Bühne der schuleigenen Aula gebracht hat.

Basierend auf dem Roman „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind entfaltet sich vor den Augen der Zuschauer hier eine dramatische Geschichte, die vom Ensemble allerdings mit einigen komödiantischen Elementen versehen wurde. Letztere sind zum Teil der Tatsache geschuldet, dass einige Szenen aus dem Stück in heutiger Zeit einfach unvorstellbar wirken. Eine 14-Jährige, die nichts über die Fortpflanzung des Menschen weiß und stattdessen ihre Mutter fragt, ob der Storch, der die Kinder bringt, nun durchs Fenster oder den Kamin kommt? Kaum denkbar.

Oft sind die Lacher im Publikum aber auch gezielt eingesetzten Effekten geschuldet. Da wird die Akte von Melchior, der sich vor dem Lehrerkollegium seiner Schule dafür verantwortet hat, einen Aufsatz über den menschlichen Beischlaf – samt Abbildungen – produziert zu haben, mit dem „Halleluja“ aus Händels „Messiahs“ auf die Bühne getragen. Und bei der Beerdigung des zweiten Protagonisten Moritz Stiefel (Christian Riederer-Romanuns), der sich selbst umgebracht hat, schallt das Intro des Stückes „Hell’s Bells“ der Hardrock-Band AC/DC durch die Aula.

Trotz dieser Komik bleibt die Geschichte weiter tragisch. Moritz droht in der Schule zu scheitern und sucht seine Flucht im Traum einer Auswanderung in Richtung Amerika. Als ihm die Situation über den Kopf wächst, begeht er Selbstmord. Ein absoluter Tabubruch. Sein bester Freund Melchior bandelt derweil mit Wendla an, die von ihm schwanger wird und schließlich an einer fehlgeschlagenen Abtreibung, die ihr von der Mutter aufgezwungen wird, stirbt. So steht Melchior, der in eine Erziehungsanstalt (mit großartig gespielten Insassen) gebracht wurde, am Ende zwischen den Grabsteinen seines Freundes und seiner ersten Liebschaft.

Ergänzt wird die Geschichte auf der Bühne durch die Gesangseinlagen des Musikkurses, der zu den einzelnen Szenen passende Musikstücke liefert. Am Ende gibt es vom begeisterten Publikum langanhaltenden und lautstarken Applaus für alle Beteiligten.