Das aktuelle Wetter Dinslaken 3°C

Krankenkasse

Privat Versicherte hatten Vorfahrt

15.03.2010 | 14:45 Uhr
Privat Versicherte hatten Vorfahrt

Dinslaken/Voerde/Hünxe. Die Redaktion hat versucht, bei verschiedenen Ärzten einen Termin zu bekommen - einmal als Kassen-, einmal als Privatpatient. Insbesondere bei Fachärzten musste sich der Kassenpatient teilweise auf mehrmonatige Wartezeiten einstellen.

Juckender Hautausschlag, Rücken- oder Kopfschmerzen. Manchmal will oder muss man einfach schnell zum Arzt. Doch besonders beim Facharzt ist ein kurzfristiger Termin oft nicht möglich, lange Wartezeiten sind keine Seltenheit. 

Und wer als Kassenpatient wochenlang auf einen Arzttermin warten soll, behauptet dann schnell, dass es Privatpatienten da viel besser geht. Dieses Vorurteil wollten wirüberprüfen, machten einen kleinen Versuch. Nach dem Zufallsprinzip hat die Redaktion jeweils einen Allgemeinmediziner, Zahnarzt, Orthopäden, Augenarzt und Hautarzt ausgewählt. Unter dem Vorwand, Beschwerden, wie Sehschwäche, Rücken- oder Zahnschmerzen zu haben, versuchten wir einen Termin zu bekommen. Erst als Kassen-, danach als Privatpatient. Eine Stichprobe, die natürlich keinesfalls repräsentativ ist, aber immerhin eine Stichprobe...

Auch noch kurzfristige Termine

Besonders bei den Fachärzten  musste sich der Kassenpatient, selbst nach ausdrücklichem Hinweis auf akute Probleme oder starke Schmerzen, auf lange – teilweise mehrmonatige – Wartezeiten einstellen. Der Privatpatient hatte sich mit solchen Ärgernissen nicht herumzuschlagen. Für ihn hielt der angeblich volle Kalender auch noch kurzfristig Termine wahlweise „heute oder sonst auch morgen“ parat.

Karin Hamacher, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVN), erklärt, warum es bei Privatpatienten oftmals schneller geht: „Viele Ärzte kalkulieren für die Untersuchung von Privatpatienten einen bestimmten Zeitpuffer ein. Da es von diesen allerdings weniger als Kassenpatienten gibt, ist der Zeitraum nicht immer ausgefüllt und sie bekommen häufig noch sehr kurzfristig einen Termin.“ Hamacher weiß um dieses Ungleichgewicht, weist aber auch darauf hin, dass Ärzte als „freie Unternehmer“ auf Privatpatienten angewiesen sind. Denn die „sind ein wichtiges finanzielles Standbein, um Investitionen für die Praxis realisieren zu können, die durch Kassenpatienten allein nicht umsetzbar wären“.

Nicht alle machen einen Unterschied

Doch nicht alle Ärzte machen bei ihrer Terminvergabe einen Unterschied zwischen privat und gesetzlich versicherten Patienten. Beim Allgemeinmediziner war es für beide Anrufer möglich, einen kurzfristigen Termin zu bekommen. „Das liegt auch daran, dass Hausärzte über ein größeres Zeitpolster verfügen als die meisten Fachärzte, die aber wiederum einen größeren Untersuchungsumfang haben“, erklärt KVN-Sprecherin Karin Hamacher. Trotz allem käme es aber auch immer auf die Schwere der geschilderten Erkrankung an. „Wenn es wirklich ernst ist, dann wird ein verantwortungsbewusster Arzt sicherlich keine Unterschiede mehr machen“, glaubt Hamacher.

NRZ

Facebook
 
Kommentare
16.03.2010
08:17
Privat Versicherte hatten Vorfahrt
von isarschwarz | #5

Wir haben doch freie Arztwahl ich meide solche Geldgierigen Ärzte es gibt genügend Ärzte die noch an ihren Eid glauben und sich daran halten.
Lasst die anderen es spüren durch Arztwechsel.

16.03.2010
07:52
Privat Versicherte hatten Vorfahrt
von RalfCausO | #4

@3. Ja richtig. SIE als Einzelperson zahlen mehr. Dafür können Sie auch ihre Frau und, wenn Sie sie denn hätten, auch zwanzig Kinder KOSTENLOS mitversichern. Ich bin PKV, plädiere aber für eine Bürgerversicherung. Dann aber für alle. Heißt für mich, Abschaffung aller GKV und PKV. Wiedereingliederung der PKV ist dann aber teuer und sehr problematisch. Aber bei nur noch einer KK und über 80Mio Vers. mit Kopfpauschale, müssen die Damen und Herren in Berlin schon ziemlich blö.. sein, um damit nicht haushalten zu können. Aber die Frage war ja, die Wartezeit auf Termine. Ich denke, dass die Zeiten, als Menschen aus Berufung Arzt geworden sind zu Ende gehen. Eine Praxis ist immer mehr eine Firma. Und wer kann es dem Arzt übel nehmen, dass er mehr Geld verdienen will. Kleines Beispiel: Ich hatte mir den Rücken verzogen. Kurzer Griff des Chiropark. und meine Konto war um rund 80-90 Euro ärmer. Jede weitere Untersuchung/Behandlung in dem Monat/Qaurtal muss ebenfalls seperat bezahlt werden. Für einen GKV´er bekommt der Arzt, 35 Euro im Quartal. Egal wie oft der da ist. Hier finde ich, sollte sich der Gesetzgeber mal Gedanken machen, ob der eine zuviel oder der andere zu wenig bezahlt. Der Arzt hat ja auch steigende Ausgaben. (Strom, Miete, Löhne, etc.) .

16.03.2010
07:29
Privat Versicherte hatten Vorfahrt
von Markus Henrichs | #3

Also ich kann sagen das ich mehr in die gesetzliche Zahle als ich privat zahlen müsste und trotzdem (ich zahle mehr als ein vergleichbarer Privatpatient) werde ich schlechter behandelt... Diese Zweiklassenmedizin gehört endlich abgeschafft...

15.03.2010
21:14
Privat Versicherte hatten Vorfahrt
von ralfcausO | #2

@1: dafür zahlt der PKV Pateint wesentlich mehr. Von denen ist keiner Familenversichert. Er MUSS für seine Frau und seine Kinder ne eigene Versicherung abschliessen.

15.03.2010
14:21
Privat Versicherte hatten Vorfahrt
von Poulver | #1

Schon schlimm,Zweiklassenmedizin.
Zumal der Privatpatient (Beamter) zahlt nichts ein,
er überläßt das den Steuerzahler,ob das eigentlich
sehr ungerecht ist.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2733985/create

Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Wasserleitung an der Neustraße geborsten
Wasserschaden
Ein Rohrbruch in der Frischwasserleitung unterhalb der Neustraße unweit der Fußgängerampel führte am Montag zu nassen Kellern und Ausfällen in der Wasserversorgung auf einem Teilstück der Straße.
Offensive Dinslaken will Archivgut digitalisieren
Offensive Dinslaken
Die Offensive Dinslaken fordert, alle Dokumente, Exponate, Literatur und sonstige Berichte wie Urkunden digital speichern zu lassen.