Plädoyer für mehr Verlässlichkeit

Hier soll die Gesamtschule einziehen.
Hier soll die Gesamtschule einziehen.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wählergemeinschaft Voerde für mehr verbindliche Angebote im Nachmittagsbereich

Voerde..  Das Stundenraster der neuen Gesamtschule im gebundenen Ganztagsbetrieb reicht der Wählergemeinschaft Voerde (WGV) in der vorgelegten Form nicht aus. Dreimal in der Woche – Montag, Mittwoch und Donnerstag – ist dort eine verlässliche und verbindliche Nachmittagsbetreuung bis 15.45 Uhr vorgesehen. Die WGV moniert, dass dies nur einen 60%-igen Ganztagsbetrieb darstelle und argumentiert mit anderen gesellschaftlichen Erfordernissen (Bericht unten „Forderung nach zeitgemäßem Angebot“). Ronald Schiefelbein, Koordinator der Projektgruppe zur Neugründung der Gesamtschule, hält dagegen, dass „die Stundentafel nicht mehr Stunden“ zulasse. „Das ist das Maximalprogramm“, das mit 100-prozentiger Lehrerversorgung angeboten werden könne. Man dürfe Kinder nicht überlasten, gibt Schiefelbein außerdem zu bedenken. Der Dienstag wird für Konferenzen der Lehrer reserviert, der unterrichtsfreie Nachmittag am Freitag sei „an vielen Gesamtschulen Tradition“, betont Schiefelbein und argumentiert damit, dass diese Regelung „familienfreundlich“ sei.

Im Zuge des weiteren Vorbereitungsprozesses soll es auch um die Frage gehen, ob es von Seiten der Eltern über den an den drei Tagen laufenden Nachmittagsunterricht hinaus einen Betreuungsbedarf gibt (die NRZ berichtete). Bei den Aufnahmegesprächen im Anmeldeverfahren habe man dazu eine „erste vorsichtige Abfrage“ gemacht. Da habe sich ein „geringer Bedarf widergespiegelt“, fasst Schiefelbein als „ersten Eindruck“ zusammen. Es gebe nicht die Masse, die unzufrieden sei mit der Situation.

Örtliche Vereine einbinden

Offen ist noch, ob die möglichen zusätzlichen Betreuungsangebote am Dienstag und Freitag für die Eltern kostenpflichtig wären. Die WGV lehnt dies aus sozialen Gesichtspunkten ab. Ronald Schiefelbein indes argumentiert, dass dies im offenen Ganztag „gang und gäbe“ sei. Theoretisch könnte er sich auch vorstellen, dass es bei Eltern die Bereitschaft gibt, sich zu engagieren und eine AG zu übernehmen. Auf die mögliche Einbindung örtlicher Vereine verweist Schuldezernentin Simone Kaspar. Nach den Osterferien soll es in einem Workshop für die Eltern der an der neuen Gesamtschule angemeldeten Kinder unter anderem um die Frage zusätzlicher Betreuungsangebote am Dienstag- und Freitagnachmittag gehen.

Im weiteren Verlauf wird sich das zu installierende Vorbereitungsteam zur Neugründung der städtischen Gesamtschule mit vielfältigen Aufgaben wie dem Lernkonzept, Lehrbüchern und der Bildung der Klassen befassen. Für interessierte Lehrer soll es in einigen Wochen eine Informationsveranstaltung geben. Angestrebt ist laut Schiefelbein, der auch Mitglied des Vorbereitungsteams ist, spätestens in den Osterferien den Kern des Lehrerkollegiums stehen zu haben. „Jeder ist willkommen, der das Konzept der neuen Gesamtschule mitträgt. Da werden wir sehr genau hinsehen.“ Auch soll der Schulleiterposten frühzeitig besetzt werden, damit sie oder er, sich in der Gründungsphase einbringen und mitwirken kann, betont Schiefelbein.

„Forderung nach zeitgemäßem Angebot“

In ihrer Kritik an dem vorgesehenen Stundenraster für die neue städtische Gesamtschule richtet die Wählergemeinschaft den Blick in zwei Richtungen. Der eine wendet sich an Bezirksregierung und Land. Beide stehen für WGV-Fraktionschef Christian Garden ob veränderter gesellschaftlicher Erfordernisse in der Pflicht zu überlegen, ob die geltenden Regelungen zum Ganztagsbetrieb „noch zeitgemäß sind“. Trotz der zu beachtenden Vorgaben des Landes sieht Garden eine „individuelle gestalterische Komponente“, die es durch das Vorbereitungsteam, den Schulträger und die Politik, aber auch durch das Gründungsteam und die Eltern wahrzunehmen gelte. Von der Projektgruppe und der Stadt als Schulträger hätte die WGV eine Einbeziehung der Politik in der Frage erwartet, wie sie sich die Schule auch im Hinblick auf den Ganztagsbetrieb vorstellt. Die WGV beruft sich in ihrer Kritik auf „zahlreiche Studien“ des Bundes und des Landes. Diese stellten immer wieder „den Wunsch von Eltern nach verlässlichen Schulzeiten und einer ebensolchen Betreuung am Nachmittag mit schulischen Förder-, Übungs-, Kultur- und Sportangeboten“ dar. „Gerade eine Gesamtschule, die sich in der Gründungsphase befindet, sollte hier ein zeitgemäßes Angebot machen, das es berufstätigen Eltern ermöglicht, Beruf und Kinderbetreuung in Einklang zu bringen“, findet die WGV.

In Anbetracht der Aussage, dass sich in dem Stundenraster das „Maximalprogramm“ für einen Ganztagsbetrieb wiederfinde, stellt sich für Garden die Frage, was die Stadt tun kann. Ein verlässliches Ganztagsangebot sei im grundsätzlichen öffentlichen Interesse der Stadt Voerde, da es die Berufschancen von Müttern stärke, sich positiv auf die Erfüllung von Kinderwünschen auswirke und Voerde insgesamt attraktiver für junge Frauen werden lasse, betont die WGV.