Pflege zu Hause statt im Heim

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Was wir bereits wissen
Seit vier Jahren kümmert sich Josef Siemer aus Friedrichsfeld daheim um seine kranke Ehefrau Gesina.

Voerde..  Alles begann im Februar 2011 mit einer gewöhnlichen Grippe. Zumindest hielten Josef Siemer und seine Ehefrau Gesina die Symptome, die sie damals plagten, für die Zeichen der weit verbreiteten Viruserkrankung. Als das Fieber immer weiter stieg und Gesina Siemer plötzlich nicht mehr ansprechbar war, blieb nur noch die Fahrt ins Krankenhaus. Diagnose: Enzephalitis (Gehirnentzündung). Es folgten mehr als ein Monat Aufenthalt im Krankenhaus und weitere zwei Monate Reha-Behandlung. „Mein Vater war dabei stets an der Seite meiner Mutter“, erzählt Monika Himmelberg, eine der Töchter des Ehepaares.

Schnell wird klar, dass nichts mehr so ist, wie zuvor. Die damals 75-jährige Gesina Siemer ist durch die Folgen der Gehirnerkrankung stark eingeschränkt, bekommt sofort die höchste Pflegestufe. Das Haus des Ehepaares wird umgestaltet: Rollstuhlgerechte Zugänge, ein weiterer Handlauf zu Bad und Schlafzimmer in der ersten Etage des Hauses. Ein spezielles Bett und ein extra angepasster Rollstuhl sowie ein Treppenlift folgen. Letzterer wird nie benutzt, denn im September 2012 erleidet Gesina Siemer einen Rückfall. Als sie wieder nach Hause kommt, ist sie faktisch bettlägerig. „Wir hatten große Hoffnungen, dass es mit der Gesundheit noch einmal besser wird“, sagt Josef Siemer.

Diese Hoffnung wurde nicht erfüllt. „Das Schwierigste ist es, den Zustand zu akzeptieren“, sagt Dieter Siemer, der Sohn des Ehepaares, der sich regelmäßig um die Einkäufe kümmert. Mittlerweile gehen Pflegekräfte, Logopäde, Physiotherapeut im Heim der Familie ein und aus. Gesina Siemer hat ihr kleines Reich im Wohnzimmer der Familie. Hier steht ein spezielles Bett für sie bereit und in ihrem Rollstuhl kann sie, wenn Besuch kommt, mit in der Küche oder am Wohnzimmertisch sitzen. „Wenn ein Pfleger kommt, dann bin ich immer mit dabei und helfe mit“, sagt ihr 79-jähriger Ehemann.

Koordination der Termine

Drei Mal pro Woche ist Gesina Siemer von morgens bis abends in der Tagespflege. Ansonsten ist es ihr Mann, der sich um sie kümmert. Vom Zähneputzen bis zur Überwachung des Flüssigkeitshaushaltes seiner Frau. „Ich habe ein Notizbuch, in das ich eintrage, was sie trinkt, damit sie genug Flüssigkeit aufnimmt“, erklärt er. Dann reicht er seiner Ehefrau ein Glas Wasser. Manchmal, wenn sie einen schlechten Tag erwischt und keine Lust hat, sich beim Frühstück das Essen zu nehmen, gibt er ihr alles direkt in die Hand. Außerdem stellt er die Kleidung für seine Ehefrau zusammen und kümmert sich um die Koordination ihrer ärztlichen und sonstigen Termine.

Die Liebe ist trotz der schweren Erkrankung geblieben. Das merkt man, wenn Josef Siemer neben seiner Frau sitzt und einfach ihre Hand hält. Auch das ist ein Grund, warum er seine Frau nicht in einem Pflegeheim haben möchte, sondern sie lieber zuhause hat. Zudem gehe es pflegebedürftigen Menschen in ihrer gewohnten Umgebung meist besser als in einem Heim.

„Es ist mir sehr wichtig, dass sie hier ist“, sagt er und schaut Gesina in die Augen. „Wir müssen uns immer noch ein bisschen zanken, oder?“ Über diese Frage müssen beide Ehepartner lachen.