Oma ersetzt die Kindergärtnerin

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Was wir bereits wissen
Über 100 Teilnehmer waren bei der Kundgebung dabei. Viele Eltern zeigen Verständnis für den Arbeitskampf der Erzieherinnen und Erzieher.

Dinslaken..  Sie sind wieder unterwegs gewesen, mit Trillerpfeifen und Plakaten. „Wir sind es wert“ heißt das Motto, mit dem die Erzieherinnen ihre Forderung nach einer Aufwertung ihrer Arbeit und ihres Gehaltes Nachdruck verleihen wollen. Gestern waren es wieder über 100 Teilnehmer, auch einige Eltern mit ihren Kindern reihten sich in den Demonstrationszug. Viele hätten Verständnis für den Streik, auch wenn sie für ihre Kinder eine andere Betreuung finden müssen. Familie und Beruf unter einem Hut zu bringen, ist schwer, wenn die Kita wegen des Streiks geschlossen ist.

Die Stadt Dinslaken hat zwei Betreuungsgruppen eingerichtet, an der Riemenschneider- und an der Douvermannstraße. Bevorzug wurden Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden aufgenommen. Diese starre Haltung gebe man nun auf, erklärte Horst Dickhäuser, Pressesprecher der Stadtverwaltung. Wo noch Platz und Kapazitäten seien, würden auch Kinder aufgenommen, deren Eltern durch den Streik in eine prekäre Situation gekommen seien.

Bettina und Andre Cermak bringen den streikenden Erzieherinnen viel Verständnis entgegen. Weil ihr fünfjähriger Sohn nicht in den Kindergarten gehen kann, hat sie sich freigenommen. „Wir finden, dass der Streik gerechtfertigt ist“, sagt Andre Cermak. Viele Erzieher gehen über die Standardbetreuung hinaus, nehmen sich für Gespräche Zeit. Mehr als über die Erzieher sei man über die Arbeitgeber verärgert, die auch nach fünf Verhandlungstagen noch kein Angebot gemacht haben.

Kundgebung vor der Neutor-Galerie

Vor dem City-Hotel startete gegen um 10 Uhr der Demonstrationszug, führte über die Friedrich-Ebert-Straße und durch die Fußgängerzone vor die Neutor-Galerie. Hier wurden erneut die Trillerpfeifen laut.

Die Geräusche waren auch einen Häuserblock weiter noch gut zu hören. Auf dem neuen Spielplatz am Rutenwall hat sich Michaele Buchczik auf eine Bank gesetzt. Ihre Enkelkinder turnen in der Zeit auf den Spielgeräten herum. Für Anouk (4) und Martayn (3) ist es nicht normal, an einem Donnerstagvormittag auf dem Spielplatz der Innenstadt zu sein.

Der Streik erzwingt es. Muss Oma einspringen. „Meine Tochter konnte nicht freinehmen, deshalb springe ich ein“, erzählt Michaele Buchczik. Sie habe vollstes Verständnis für die streikenden Erzieherinnen. „Ich verstehe nicht, warum sie das Geld nicht bekommen“, fügt sie hinzu. Sie selbst möchte keine Kindergärtnerin sein. „Was die leisten, Respekt.“ Jeden Tag springe sie nun ein, kümmert sich um die Enkelkinder. Bis der Streik beendet ist.

Ein Ende ist aber noch nicht in Sicht. Erst kommenden Donnerstag gibt es einen Termin mit den Vertretern der Arbeitgeber. Bis dahin wollen die Erzieherinnen auf jeden Fall weiterstreiken.

Bei der Stadt Dinslaken hat man den Eindruck gewonnen, dass bei den Eltern teilweise die Nerven blank liegen, so Horst Dickhäuser. Über 20 Eltern hätten sich telefonisch oder per Mail an die Stadt gewandt und angefragt, ob die gezahlten Beiträge erstattet werden können. Nach derzeitigem Stand, denkt die Verwaltung aber nicht daran, den Eltern gezahlte Beiträge zu erstatten.