Noch schnellere Hilfe für junge Eltern

Voerde/Wesel..  Die Stadt Voerde ist eine Kooperation mit drei Krankenhäusern im Kreis Wesel eingegangen, um frisch gebackenen Eltern bei Problemen mit der für sie neuen Situation zu helfen. Bei dem Projekt „Kinderzukunft NRW“ werden junge Mütter direkt nach der Geburt ihres Kindes noch im Krankenhaus kontaktiert, um ihnen Möglichkeiten früher Familienhilfe aufzuzeigen. Wie melde ich mein Kind wo an? Was mache ich, wenn das Kind häufig schreit? Warum trinkt es nicht? Wann muss ich mich um einen Kita-Platz kümmern?

Im Weseler Marien-Hospital macht man bereits seit einem Jahr gute Erfahrungen, berichtet man davon, dass viele Eltern gar nichts von den Angeboten wissen, die Stadt und Kreis für Eltern vorhalten. Wichtig sei die frühe Kontaktaufnahme auch, um mögliche Problemfälle rechtzeitig zu erkennen, dann unterstützend oder regulierend tätig werden zu können.

In Voerde unterbreitet die Stadt bisher das Angebot eines Babybegrüßungsbesuches etwa acht Wochen nach der Entbindung. Das hat für Sozialdezernentin Simone Kaspar zwei Nachteile: Erstens schrecken immer noch viele Eltern davor zurück, sich „das Jugendamt ins Haus zu holen“. Immerhin ist man aber in Voerde so weit, dass Fachkraft Svenja Wißenberg von 70 Prozent aller Eltern zum Begrüßungsbesuch eingeladen wird und vor Ort Tipps geben kann.

Zweitens stellt Wißenberg aber bei ihren Besuchen fest, dass nicht selten eine frühere Kontaktaufnahme besser gewesen wäre. Beispiel: Viele Mütter wissen nicht, dass sie eine Hebamme für die Nachsorge zu Hause verpflichten können. Wenn die Mutter das nicht bereits im Krankenhaus erfährt, vergehen wertvolle Wochen ohne die Inanspruchnahme dieser Leistung. „Es ist häufig einfach besser, früher Kontakt zu haben“, fasst Dezernentin Simone Kaspar zusammen.

Deshalb habe man sich - wie alle Kreiskommunen außer Dinslaken - dem Projekt am Marien-Hospital angeschlossen, wo im vergangenen Jahr 72 Voerder Kinder das Licht der Welt erblickten. Im Krankenhaus kontaktiert Fachkraft Melanie Krämer die jungen Eltern, gibt erste Tipps und Infos, stellt bei Bedarf Kontakt zu Svenja Wißenberg nach Voerde her. Außerdem kooperiert Voerde auf die gleiche Art mit den beiden Krankenhäusern in Moers, wo jährlich etwa 15 Voerder Mütter entbinden.

Dass man so nur etwa ein Drittel der jährlich rund 250 Voerder Babys erreicht, liegt zum Beispiel daran, dass es etwa in Dinslaken und Oberhausen andere Ansätze der Frühen Familienhilfe gibt.

Obwohl man sich sicher ist, dass das Projekt nicht nur gut bei den Eltern ankommt, sondern auch spätere, oft teure Familienhilfen verhindern kann, gilt es als freiwillige Maßnahme und darf aufgrund der Haushaltslage nicht von der Stadt finanziert werden.

Um so mehr freut sich die Sozialdezernentin darüber, dass das Unternehmen „Care diagnostica Laborreagenzien“ durch Spenden sicherstellt, dass allen Voerder Eltern dieses Angebot kostenlos unterbreitet werden kann.