Niemand soll in Turnhallen schlafen

Die Fliehburg wird für die Unterbringung von Flüchtlingen erweitert.
Die Fliehburg wird für die Unterbringung von Flüchtlingen erweitert.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Caritas und Stadt Dinslaken erklären ihr Konzept zur Flüchtlingsunterbringung. Zusätzliche Mittel gibt es durch Soforthilfe des Bundes.

Dinslaken..  „Es ist auch unser Ziel, die Flüchtlinge in eigenen Wohnungen unterzubringen“, sagt Caritasdirektor Michael van Meerbeck. Und reagiert damit auf Gerhard Greiner, Flüchtlingspfarrer im Ruhestand, der vorgeschlagen hatte, die Flüchtlinge bereits vom ersten Tag in angemieteten Wohnungen unterzubringen.

Das halte man aus mehreren Gründen für nicht sinnvoll und auch nicht für praktikabel, erklärten gestern Caritas und Stadt Dinslaken unisono. Der gemeinsame Ansatz sehe vor, die Flüchtlinge zunächst in der Fliehburg unterzubringen, wo sie von Fachkräften sozial betreut werden und Sprachunterricht erhalten können. Das sei bei einer dezentralen Verteilung nur schwer möglich. Wenn die Familien mindestens einen geduldeten Status haben, sollen sie dann in eigene Wohnungen „mitten in der Gesellschaft“ ziehen, weil so in der Tat die Integration am besten gelingen könne. Seit Ende 2013 sei das bereits in 70 Fällen gelungen, rund 80 Anwärter auf eigene Wohnungen befinden sich nach Angaben der Stadtverwaltung noch in Sammelunterkünften. Das Problem: Der Wohnungsmarkt gibt derzeit selbst für diese Zahl nicht genügend geeignete Immobilien her. Abgesehen davon, dass zu wenige große Wohnung zur Verfügung stehen, eignet sich auch nicht jeder Stadtteil, weil sich gegebenenfalls Probleme vergrößern könnten, wenn verschiedene Kulturen und Gruppierungen aufeinander treffen.

Fazit: „Dieses Konzept hat ein gutes Fundament“, resümiert van Meerbeck, lobt das außergewöhnliche Engagement der Stadt Dinslaken, die Unterstützung durch Ehrenamtliche und das gemeinsame Ziehen an einem Strang. „Anders als in anderen Städten muss hier kein Flüchtling in Sporthallen oder Containern übernachten“, so van Meerbeck. Der Caritasdirektor betont, dass die Renovierung des Hauses im Hardtfeld (wie auch die hergerichteten Wohnungen an der Karlstraße) als Übergangslösung dienen, bis die Fliehburg um- und ausgebaut ist. Das Haus im Hardtfeld zu sanieren, sei außerdem aus Gründen der Werterhaltung der städtischen Immobilie sinnvoll.

In der als Vorbild angeführten Stadt Leverkusen, die Flüchtlinge sofort in Wohnungen unterbringen will, müssen aufgrund des anhaltenden Stroms von Hilfesuchenden derweil auch andere Übergangslösungen her: Turnhallen werden eingerichtet, Container aufgestellt. Das wolle man in Dinslaken nicht und könne es auf beschriebenem Weg auch vermeiden.

Für die Flüchtlingsunterbringung erhalten Dinslaken, Voerde und Hünxe jetzt Mittel durch die vom Flüchtlingsgipfel vereinbarte Soforthilfe des Bundes.

Dinslaken erhält 390 000 Euro (insgesamt dann 1,4 Mio. Euro für das laufende Jahr), Voerde bekommt 220 000 Euro (insgesamt 770 000 Euro), Hünxe kriegt 108 000 Euro (insgesamt 362 000 Euro).