Miteinander ins Gespräch kommen

Der Neujahrsempfang der Pfarrei St. Vincentius in Lohberg.
Der Neujahrsempfang der Pfarrei St. Vincentius in Lohberg.
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Was wir bereits wissen
Neujahrsempfang der Großgemeinde St. Vincentius im Lohberger Ledigenheim

Dinslaken..  Stimmungsvoll und musikalisch war gestern Vormittag der Auftakt, mit dem die Sopranistin Sabine van Elst und Paul Beszynski, Organist in St. Vincentius, die Gäste im vollbesetzten Ledigenheim auf den Neujahrsempfang der Großgemeinde St. Vincentius einstimmten. Pastor Gregor Kauling konnte nicht nur den Bürgermeister, Vertreter aus Politik, Verwaltung, Schulen und Kindergärten sowie des katholischen Krankenhauses und der Caritas begrüßen, sondern auch Mitglieder anderer Kirchengemeinden und Religionsgemeinschaften, etwa der Ditib-Moschee.

Das Miteinander der Kulturen und Religionen war auch ein zentraler Aspekt in der Neujahrsansprache des Pfarrers – auf internationaler ebenso wie auf lokaler Ebene. Als vor einigen Monaten mit dem Ledigenheim der Veranstaltungsort für den Empfang festgelegt worden sei, habe man noch nicht ahnen können, welche Dimensionen die internationale Entwicklung nehmen würde, so Kauling: „Der internationale Terrorismus zeigt uns seit Jahren sein hässliches Gesicht und die Abgründe der menschlichen Seele.“

Es sei gut, an diesem Sonntag in Lohberg zu sein, wo verschiedene Religionen und Nationalitäten gemeinsam leben. Der Pfarrer appellierte daran, keine neuen Gräben aufzureißen, sondern miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Hinblick auf die Pariser Anschläge zeigte sich Kauling bewegt von dem Slogan „Tout est pardonné.“, auf Deutsch: „Alles ist vergeben.“ Vergebung komme von Gott – sie sei das verbindende Moment der Religionen und Kulturen, sagte Kauling. Die Vergebung Gottes sei grenzenlos, bedingungslos und kostenlos, so der Pfarrer weiter, aber nicht vorbehaltlos, man müsse sie annehmen wie ein Geschenk. Vergebung sei auch nicht die Rechtfertigung von Schuld, Unrecht werde durch Vergebung nicht gut geheißen, aber sie lasse nicht zu, dass das eigene Leben zerstört werde. Daran knüpfte sich der Appell, am heutigen Montag zur Kundgebung zu gehen und ein Bekenntnis zur vielfältigen Lebensgemeinschaft in der Stadt abzugeben.

Die Gemeinschaft wird in diesem Jahr auf innerhalb der Kirchengemeinde eine große Rolle spielen. Passend zum Jahresanfang könne man die Frage „Was willst du selber?“ stellen, so Kauling. Sie sei der Schlüssel zum Inneren des Menschen, zu seinen Sehnsüchten. Auch Jesus lasse den Menschen Raum, ihren eigenen Weg zu finden und Kauling fragt sich, ob die Menschen in der Gemeinde genug voneinander wüssten.

Die pastoralen Räume würden immer größer, die Gemeinde der Gläubigen immer kleiner. Die Menschen zu erreichen, ist daher ein wichtiges Ziel, dass 2015 mit dem lokalen Pastoralplan erreicht werden soll. Dem Pfarrer geht es dabei vielmehr darum, zu erfahren, was die Menschen bewegt und wo sie im Moment stehen, bevor ein Konzept ausgearbeitet werden soll. Daher lädt die Gemeinde am 14. März alle Interessierten ins Johannahaus ein, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Es waren schöne und zugleich nachdenklich stimmende Worte, mit denen Kauling die Menschen auch erreichte.