Mit Schlagkraft zum Meistertitel

Dinslaken..  „Wir leben hier in Lohberg, weil wir uns wohlfühlen. Es ist fast wie ein Dorfleben, jeder kennt sich“, bekennt sich Franjo Tatai zum Stadtteil. „Manchmal brauche ich für einen Fünf-Minuten-Heimweg 20, weil ich unterwegs so viele Leute treffe.“ Mit 13 Jahren kam Franjo Tatai aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Dinslaken, einen deutschen Pass besaß er lange Zeit nicht. Doch dann war Krieg in seiner ehemaligen Heimat und er beschloss, Nägel mit Köpfen zu machen und die deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen.

Zu jenen Zeiten war er längst mit Kerstin verheiratet, ein echtes Lohberger Kind, die es selbst nach einem Zwischenspiel in Marburg wieder zurück nach Lohberg zog. „Klar, Marburg ist schön, doch ich wollte zurück ins Ruhrgebiet“, gesteht die Lohbergerin. Seit rund 20 Jahren betreiben die beiden in dem Ortsteil einen Box-Verein, haben schon viele junge Talente gefördert und ihnen zu Meistertiteln verholfen. Auch Franjo Tatai selber hat in seinen frühen Jahren geboxt, war in der Bundesliga dabei, wurde Westdeutscher Meister. Beim VFB Lohberg hatte einst alles angefangen, damals, als der VFB noch über eine große Boxabteilung verfügte. „Mein alter Trainer hat mich gefragt, ob ich als Trainer aushelfe.“ Franjo wollte, doch schon bald gründete der gelernte Betriebsschlosser seinen eigenen Verein.

„Es gehört schon viel Idealismus dazu, denn alles läuft ja auf ehrenamtlicher Basis und über Vereinsbeiträge“, sagt Franjo Tatai. Und in der Freizeit: Der Lohberger arbeitet Vollzeit als Produktionsfacharbeiter bei der Signode, seine Frau in der Sozialbetreuung. Oftmals ist zumindest er die ganze Woche über für den Verein unterwegs, vor allem bei den Meisterschaften, an denen seine Schützlinge teilnehmen. An Zulauf fehlt es dem Verein nicht, aus der ganzen Region kommen die angehenden Boxer zu ihm, ob Mädchen oder Jungen.

„Wir sind stolz auf unseren Stadtteil und können ihm mit unserem Box-Verein auch ein wenig zurückgeben von der starken Unterstützung, die wir hier immer erhielten“, sagt Kerstin Tatai. Nicht immer waren die Zeiten einfach, vor allem nach der Gründung. Trainingsräume mussten her. Da stiftete der VFB für den jungen Club einige Trainingsstunden, Heinz Brandt, ehedem Vorsitzender des Forums Lohberg, vermittelte Räumlichkeiten im Jugendheim. Heute trainieren sie in der ehemaligen Johannesschule, richten in Lohberg mindestens drei Veranstaltungen aus und fördern somit die Vielfalt.