Mit Englisch einmal um die Welt

Dinslaken..  Phileas Fogg ist ein Urbild des englischen Gentleman: Besessen akkurat und doch, wenn es um die Verwirklichung seiner fixen Ideen geht, geradezu maßlos großzügig. Voller Abenteuerlust, aber dabei so organisiert, dass er seine Anzüge nach dem Datum, wann er welchen im Jahr tragen wird, sortiert. Er hat - natürlich - einen treuen Butler zur Seite und selbstverständlich ist er von seinem Tun und seinem Wissen so überzeugt, dass er darauf jede Wette eingeht. Zum Beispiel „in 80 Tagen um die Welt“ zu reisen, im Jahr 1872, wo die Welt zwar beginnt kleiner zu werden, aber 80 Tage noch immer eine unvorstellbare Geschwindigkeit bedeuten.

2009 inszenierte Stefan Ey seine Bühnenadaption des Jule Verne-Klassikers als Ein-Personen-Stück für Kinder. Es war der Beginn seiner Klassiker-Bearbeitungen, die längst Zielgruppen jeden Alters erreicht haben. Marco Pickart Álvaro, damals noch festes Ensemblemitglied der Burghofbühne, schlüpfte in die Rolle des Butlers Passepartout – und in die all der anderen Charaktere des Abenteuerstücks. Er war der böse grummelnde Detektiv Fix, der Fogg um die halbe Welt verfolgt, die schöne Inderin Aouda oder ein heiser krächzender Kapitän.

Und er war natürlich Fogg selbst, der etwas blasiert wirkende Engländer, der allerdings wie alle Charaktere Deutsch sprach.

Doch auch das ist nun korrigiert. Fogg spricht Englisch, der aus Frankreich stammende Passepartout spricht Englisch, selbst der Chinese in Hong Kong spricht neben einem kleinen nĭ hăo („hallo“) und xiè xiè („danke“) Englisch. Roland Steffen, der über 20 Jahre lang in Amerika lebte und arbeitete und heute an Privatschulen und in Wirtschaftsunternehmen Englisch lehrt, hat Stefan Eys Monolog übersetzt. Zunächst wortwörtlich, dann jedoch auf Bitten von Intendant Mirko Schombert etwas vereinfacht.

Leicht verständlich

„Von der sprachlichen Farbe ist dadurch etwas verloren gegangen“, räumt er ein. Aber „Around the world in 80 days“ ist nach wie vor ein witziges Theatererlebnis für jede Generation. Auch wenn es durch die Wortwahl auf seine neue Zielgruppe zurechtgeschnitten ist: Schülerinnen und Schüler mit mindestens drei Jahren Englischunterricht, je nachdem also für Kinder ab zehn Jahren.

An der Inszenierung hatte sich bei der Premiere der neuen Fassung am Freitag im Tenterhof nichts geändert. Und auch der Schauspieler ist derselbe wie vor sechs Jahren: Marco Pickart Álvaro. Ein Glücksfall. Denn Pickart Álvaro ist in Australien aufgewachsen, man kann ihn als „native speaker“ bezeichnen. Und so beherrscht er die Kunst, den Charaktern verschiedene Stimmen und Dialekte zu verleihen, in seinem für Deutsche sehr leicht verständlichem Englisch mit der gleichen Souveränität wie in der alten Originalversion.

Ein Vergnügen für die Ohren, wie es die Darstellung für die Augen ist. Schultheater? Sicherlich. Aber auch die Premiere im Rahmen des Theater Maxi Menüs war restlos ausgebucht. „Around the world in 80 Days“ lohnt sich für alle, die typisch Britisches auf der Bühne lieben.