Mit 15 in ein fremdes Land

Dinslaken..  Er kann es nicht lassen, sich für den Ortsteil Lohberg zu engagieren. „Lohberg liegt mir nun mal am Herzen“, Kemal Inan entschuldigt sich fast für seine Liebe zum Stadtteil. Vielleicht, so sinniert er, liege es daran, dass er mit 15 Jahren in ein ihm fremdes Land kam, ohne Eltern, ohne Freunde. Er ist hier aufgewachsen, hat hier den größten Teil seines Lebens verbracht. „Die ersten drei Jahre waren die schwierigsten in meinem Leben“, gesteht er rückblickend, „danach wurde es einfacher. Ich hatte viele Menschen, die mich unterstützten. In der Regel waren das sogar deutschstämmige.“

Kemal Inan ist als Jugendlicher 1966 durch die Anwerbung des Bergbaus nach Lohberg gekommen. Er gehörte zur ersten Generation, die nicht aus der Bergbauregion Zonguldak sondern aus der Region Ankara nach Deutschland kam. Sein Vater war früh verstorben, die Mutter folgte ihm 1966 nach, da hielt es den jungen Kemal nicht mehr in seiner Heimat. „Die Wurzeln waren nicht mehr da. In der Türkei sah ich keine Möglichkeiten für mich.“ Zur Schule gehen und studieren sollte er, auch auf Wunsch seines älteren Bruders. „Es reicht, wenn ich Autoschlosser bin, du sollst etwas Besseres werden“, hatte der Bruder damals in der Türkei gemeint.

Die Euphorie Kemals war groß, die Enttäuschung um so mehr, denn was wirklich auf ihn zu kam, hatte er ja so nicht erwartet. Und bis zum Studium sollten noch Jahre vergehen. „Dennoch, ich bereue nichts“, so Kemal Inan heute. „Ich weiß noch, wie es damals hier in Lohberg war. Zu 90 Prozent lebten nur Deutsche hier, oder Nachkommen derer, die zur Blütezeit des Bergbaus hierher ausgewandert waren. Ein herrlicher Ort, ein Stadtteil mit Herz und Charme.“ Das ist er für Inan allerdings auch heute noch, deshalb setzt er sich ein – im Vorstand des Forum Lohbergs und in anderen Organisationen. Immerhin stammt seine Ehefrau Carla ja auch aus dem Ortsteil, seine Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, sind hier geboren.

Ach ja, studiert hat er übrigens auch noch – Bergingenieur. Dem Bergbau blieb er bis zu seiner Pensionierung treu.