Metall-Arbeiten in der Zentralwerkstatt

Dinslaken..  Metal-Fans sind ja bekanntlich meist gut beschriftet. Das muss sich nicht einmal in Tattoos ausdrücken, es ist die Kleidung, an der man den Musikgeschmack der Träger ablesen kann. Da überrascht dann auch nicht eine Bühnenansage wie die von Bonfire-Sänger David Reece am Mittwoch in der Zentralwerkstatt Lohberg „Kommt mal alle nach vorne ins Helle, damit ich eure T-Shirts sehen kann“, rief er den Fans zu, die sich von den härtesten Klängen des „Summer of Love“-Festivals haben anlocken lassen, und las laut: „Wacken Open Air, Saxon, Accept...“ (in letzterer Band sang er in den 80er). Die meisten Shirts des Abends jedoch trugen einen anderen Namen: Messiah’s Kiss. Die Lokalhelden mit New Yorker Sänger und Saitendrescher aus Nottingham gaben in Dinslaken eines ihrer raren Heimspiele.

Der grob gepflasterte Boden der Zentralwerkstatt kann nicht beben. Aber die Luft unmittelbar darüber wird von Eckhard „Eddy“ Ostras Doublebass und Wayne Banks Bass in Schwingung versetzt. Man spürt das Kribbeln an den Beinen. Gleich das zweite Stück beschleunigt auf 187 Beats per Minute, die Metal-Maschine Messiah’s Kiss hämmert in der alten Zentralwerkstatt, als wäre die Industriearchitektur nur für diese Art der Schwerarbeit erfunden worden. Auch der Sound hat eine klar definierte Architektur: Gitarren, Bass und Schlagzeug und der Background-Gesang der Banks Brüder Jason und Wayne bauen eine massive Wand aus allem, was dunkel ist, donnert und grollt, Mike Tirelli zieht mit seiner fantastischen Stimme den Gesang wie einen messerscharfen Laserstrahl. „Metal til we die“ heißt einer dieser musikalischen Seitenschneider, der Titel ist Programm.

Mike Tirelli steht Depeche Mode gut

Sieben Jahre krankheitsbedingte Zwangspause lagen zwischen „Dragonheart“ und dem „Get your Bulls out“. Gitarrist und Songwriter Georg Kraft ist noch immer nicht wieder fit für die Bühne, er verfolgt die Show aus dem Publikum. Für ihn greift Alexander Hitz aus der Urbesetzung von 2001 in die Saiten.

Die neuen Songs entstanden gemeinschaftlich, die unterschiedlichen Vorlieben der Musiker sorgen für einen frischen Sound. Die Überraschung des Abends ist allerdings eine Coverversion von Depeche Mode: Mike Tirelli steht der Dave Gahan-Part ausgesprochen gut, er entspricht seinem Typ. „Wollt ihr das als nächstes Video sehen?“, fragt er die treuen Fans in der Zentralwerkstatt. Die stimmen klar für Ja.

Aber Jason Banks Wah-wah-Gitarre bleibt die Ausnahme. Mit „Babylon“ wenden sich Messiah’s Kiss wieder ganz der hammerharten Bearbeitung von Schwermetall zu. „Time to say goodbye“? Nur als Song, die Fans möchten eine Zugabe und bekommen sie mit „Whisper a prayer“.

Ela hatte es mit ihrem Hard Rock-Set nach dem Kracherauftritt von Messiah’s Kiss entsprechend schwer. David Reece fackelte da nicht lange und zitierte das in der Halle verteilte Publikum direkt vor die Bühne. „Glörious“ heißt das im April erschienene Album von Bonfire, aus dessen Urbesetzung nur noch Hans Ziller übrig ist. Auch hier ist der Name Programm: die Gitarren-Soli glänzen wie poliert.

In der Zentralwerkstatt wird wieder gearbeitet. Und wie zu alten Zechentagen war dies weithin in Lohberg hörbar.