Magie ist, was in einem steckt

Dinslaken..  Es gibt sie, die Magie des Augenblickes, die man manchmal im Foto, aber meist noch besser in der eigenen Erinnerung einfängt. Die magische Anziehungskraft zwischen Menschen, die sich vielleicht noch Sekunden zuvor wildfremd waren. Die Momente, in denen Menschen über sich selbst hinauswachsen und Kräfte in sich freisetzen, die sie selbst für nicht möglich gehalten hätten. Und natürlich gibt es die ganz realen Zaubertricks, die uns mit ihrer perfekten Illusion verblüffen und bei denen man sich nur noch fragt: „Wie macht der das“.

Auch Thimon von Berlepsch lässt sich natürlich nicht in die Karten sehen. Aber der Magier aus dem echten Märchenschloss (zwischen Kassel und Göttingen gelegen) unterscheidet sehr genau zwischen der Kunst der Illusion und eben jener „Magie“, die das Leben zauberhaft macht und positive Kräfte in den Menschen weckt. Um genau diese beiden Elemente in seiner Show neu zu einer poetischen Erfahrung zu mischen. Am Dienstag nahm der Adlige, dem als Junge die „Salon-Magie“ des Trickartikel-Herstellers und Berufszauberers Carl Willmann in die Hand fiel, das Publikum in der Kathrin-Türks mit auf eine Entdeckungsreise zu indischen Babas, tanzenden Tischen und ins eigene Unterbewusstsein.

Die Show beginnt mit einem Hauch von Harry Potter. Thimon von Berlepsch präsentiert das antiquarische Salon-Zauberbuch von 1891 wie ein magisches Buch aus der Welt des Zauberlehrlings. Liest ein „Muggle“ darin, verschwindet die entsprechende Seite. Eine Erfahrung, die gleich der erste „Freiwillige“ aus dem Publikum machen muss: Das Blatt taucht im Innern eines Luftballons wieder auf.

Für die nächste Kandidatin aus dem Publikum hält Thimon von Berlepsch allerdings eine kostbarere Erfahrung bereit. „Gehe auch einmal ein Risiko ein, wenn du dich Neuem stellst und einem anderen vertraust“ lautet seine „magische“ Botschaft. Konkret fragt er, ob ihm jemand für den nächsten Trick einen 50-Euro-Schein geben würde, er könne Geld verdoppeln. Nur zwei im Publikum sind dazu bereit. Und die Dame, deren Schein der Magier annimmt, hält anschließend tatsächlich einen 100-Euro-Schein in der Hand. Danach werden viele im Saal der Kathrin-Türks-Halle mutiger.

Thimon von Berlepsch bettet seine Illusionen in märchenhafte Erzählungen seiner Reisen als Rucksacktourist ein, zaubert vor Erinnerungsfotos vom Taj Mahal und dem Rattentempel bei Bikaner. Er berichtet von seinem Vater, der ihn ermutigte, an sich selbst zu glauben und gibt die Erfahrung einem Zehnjährigen im Publikum weiter.

Die Welt lässt sich durch die eigene Vorstellungskraft formen: das ist die ganze Magie, lautet sein Credo. Und in diesem Sinne wählt er auch drei Personen aus dem Publikum aus, die sich auf seine Suggestionskraft einlassen. Unter Hypnose vergessen sie ihren eigenen Namen, schärfen aber auch ihre Sinne. Zum Schluss zeichnet ein Mann ein magisches Quadrat, als sei dies das Selbstverständlichste der Welt. Und der Magier hat gezeigt, dass jedem Menschen ein Zauber inne wohnt.