Lohberger Maschinen in Amasra

Dinslaken/Zonguldak..  Bereits seit zehn Jahren stehen die Räder still auf der Zeche Lohberg. Fast 100 Jahre lang haben Bergleute dort das schwarze Gold aus den Tiefen des Berges geholt. Viele von ihnen kamen vom Schwarzen Meer, waren als Jugendliche von ihren Eltern in ein fremdes Land geschickt worden. Inzwischen ist ihr damaliger Wirkungsort geschlossen, der Vergangenheit gehört das ehemalige Bergwerk deshalb noch lange nicht an. Neues ist im Gange und gerade durch diese Zukunftsvisionen ist das alte Bergwerk mit seinen Bestandsgebäuden, seiner Geschichte und der Entwicklung zu einem CO 2 freien Standort Anziehungspunkt für angehende Geowissenschaftler, unter anderem aus Zonguldak.

Und wer könnte ihnen das Geschehen rund um die Zeche Lohberg besser näherbringen als Walsums Bergwerksdirektor a.D. Wolfgang Traud, heute Lehrbeauftragter an der Technischen Fachhochschule Georg Agricola zu Bochum im WB Geoingenieurswesen, Bergbau und Technik. Eine Partnerschaft mit der Bülent Ecevit Universität in Zonguldak hat bereits zum regen Austausch der jungen Studenten geführt und soll ausgebaut werden. Wie man Metangas beherrscht? Was passiert mit einem Bergwerk, wenn es geschlossen wird? All das wollten zehn Studenten der Bülent Ecevit Uni jetzt vor Ort in Dinslaken erfahren und trafen sich für eine Woche mit ihren deutschen Kollegen, die ihrerseits bereits ein paar Wochen zuvor in der Türkei weilten.

„Besonders beeindruckt waren sie von der Gartenstadt“, weiß Wolfgang Traud zu erzählen. Und über das, was man alles aus einem stillgelegten Bergwerk machen kann. Daran ist in der Region Zonguldak eigentlich weniger zu denken, denn dort floriert der Steinkohleabbau immer noch. Zwei Bergwerke hatte Traud mit zwölf seiner Studenten vor wenigen Wochen besichtigt. Ein staatliches, ein privates. 400 Millionen Euro habe der Privatinvestor in sein Steinkohlebergbau Hattat in Amasra am Schwarzen Meer gesteckt. Und dabei auf Technik aus Dinslaken, Hünxe, Dorsten und Haltern zurückgegriffen. „Die Fördermaschinen kommen von hier“, erzählt Wolfgang Traud augenzwinkernd.

Und sogar viele der Bergleute. Einen davon meint er erkannt zu haben, sicher ist er nicht. „Als die Kumpels erfuhren, dass Dinslakener zu Besuch kamen, da gab es bei ihnen kein Halten mehr“, so Traud. Ein großes Hallo folgte, alte Geschichten wurden aufgefrischt. „Die Gastfreundschaft in der Türkei war überwältigend.“ Nicht nur bei den ehemals „deutschen“ Kollegen, die dort als Dolmetscher oder als Projektberater arbeiteten.

Drei Schächte wurden in Hattat abgeteuft, die Förderung ist im vergangenen Jahr angelaufen und soll bis 2018 auf 5 Mio. Jahrestonnen erhöht werden. „Viel Handarbeit existiert dort noch“, berichtet Traud, das erinnere ihn an weit zurückliegende Zeiten in Dinslaken und Walsum. Der Sicherheitsstandard jedoch sei in beiden von ihm besuchten Bergwerken hoch gewesen, wenn auch die Technik ein wenig veraltet sei, selbst im privat geführten Bergwerk.

Traud ist Bergmann durch und durch – er gerät direkt ins Schwärmen, wenn er von Hattat und Kozlu erzählt, von der Grubenfahrt, von der Dinslakener Fördermaschine, die jetzt in der fernen Türkei den Kohleabbau unterstützt, von den Lagerstätten direkt unter dem Schwarzen Meer. Chinesische Bergleute arbeiteten auf Hattat, das habe ihn doch schon verwundert, gesteht er.

Und eines begeistert ihn noch, sein Wissen weiterzugeben an Studenten aus aller Welt.