Lohberg-Liebe auf den ersten Blick

Anja Sommer macht es sich zum Lesen im Wohnzimmer gemütlich.
Anja Sommer macht es sich zum Lesen im Wohnzimmer gemütlich.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
NRZ-Serie „Wir sind Lohberg“: Anja Sommer lebt mit ihrer Familie in einem alten Steigerhaus in der Gartenstadt - und zeigt die architektonischen Besonderheiten des Stadtteils Besuchern aus ganz Deutschland und den Niederlanden.

Dinslaken..  Ihre erste Reaktion auf die Immobilienanzeige war: „Hab ich da eine Wissenslücke?“ Gartenstädte gehörten für die Diplom-Ingenieurin für Raumplanung und Städteplanerin zu den Studienschwerpunkten, aber Lohberg? Fehlanzeige. Der Name sagte ihr nichts, ihrem Mann auch nicht, den sie in der Referendariatszeit kennen gelernt hatte und der wie sie Bauassessor ist, und den alten Studienkollegen nichts. Aber das alte Oberbeamtenhaus, das früher einmal für einen der Obersteiger am Schacht Lohberg gebaut worden war, besichtigten die Sommers trotzdem. Und verliebten sich in das alte Gebäude im denkmalgeschützten Ensemble der Gartenstadt sofort.

Seit 2006 haben sie das Haus liebevoll renoviert, von den alten, original erhaltenen Holzböden hoch über die heute mit atmungsaktiven Lehm verputzten Wänden bis unter den freigelegten Dachstuhl, unter dem Anja Sommer ihre Filzwerkstatt eingerichtet hat. Die Sommers leben mit ihren beiden Kindern gerne in Lohberg – und öffnen zweimal im Jahr ihre Tür für Besucher, um zu zeigen, was das Wohnen in der Gartenstadt so lebenswert macht. „Das Haus hat uns durch seine Qualität und hochaktuelle Architektur beeindruckt“, erklärt Anja Sommer in der gemütlichen Wohnküche. „Es hat große, gleichberechtigte Räume und überzeugt auch im Thema Klimaschutz. Zwei Dielen schirmen die Wohnräume von der Nordseite her ab, der überdachte Hauseingang ist zugleich ein Windschutz. Das entspricht ganz modernen Maßstäben.“

Auch außerhalb der eigenen vier Wände hat es die Gartenstadt Anja Sommer angetan. Und darüber spricht sie auch. Mit Kindergartenkindern, Leistungskursen und Architekturinteressierten aus ganz Deutschland und den Niederlanden. Als die Sommers nach ihrem Umzug nach Lohberg Kontakt zu den anderem Menschen im Ortsteil suchten, lernte Anja Sommer Janet Rauch kennen, die damals noch für das Forum Lohberg tätig war.

Abends am Kamin

Sie regte die Städteplanerin an, als Frau vom Fach Rundgänge anzubieten, die den Blick auf die architektonische Besonderheit der Gartenstadt lenkten. Was mit zwei Führungen begann, wurde in den Jahren nach 2010 zu einer gefragten touristischen Attraktion. Inzwischen ist Lohberg in die Route der Industriekultur aufgenommen, sind Reiseanbieter auf dem Zug aufgesprungen. Das macht Lohberg heute als Architekturstandort für Besucher von Bremen bis Rheinland-Pfalz zu einer guten Adresse.

Bis zu fünf Führungen durch die Gartenstadt und die ehemalige Zechenlandschaft unternimmt Anja Sommer inzwischen in den Hauptmonaten Mai und September, nur in den drei Wintermonaten bleibt Zeit, neue Routen und Themen zu konzipieren – oder sich der eigenen künstlerischen Arbeit, dem Filzen zu widmen.

Womit man wieder bei den Sommers zuhause ist. Kurse in der Kunst, aus Wollfäden Kobolde, Drachen und Baumwesen zu erschaffen, bietet Anja Sommer in der heimischen Werkstatt unterm Dach an. Ein Raum, der abends auch von der Familie selbst als zweites Wohnzimmer genutzt wird. Gemütlich bei Musik am freistehenden Kamin in der Mitte des Raumes – so angenehm lässt es sich in Lohberg leben.