Lohberg: Interessante Einblicke

Gästeführerin Anja Sommer versorgte die Gruppe um Landrat Dr. Ansgar Müller mit vielen Informationen über Lohberg.
Gästeführerin Anja Sommer versorgte die Gruppe um Landrat Dr. Ansgar Müller mit vielen Informationen über Lohberg.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Landrat Dr. Ansgar Müller erkundete den Stadtteil und informierte sich über die Veränderungen der vergangenen Jahre. 70 Interessierte begleiteten ihn.

Dinslaken..  Das sei „Rekord“, meinte Landrat Dr. Ansgar Müller mit Blick auf die Gruppe, die sich auf den Weg machte, um den Stadtteil Lohberg zu erkunden. Denn statt der sonst 20 bis 30 Personen, die sich für die Touren anmelden, waren es diesmal rund 70 Interessierte. Zum elften Mal hatte Müller dazu eingeladen, mit ihm eine Exkursion zu machen. Keine übliche Wanderung werde es geben, in der Karwoche sei stets der Auftakt, sondern eine Stadtteilerkundung „mit dem Blick auf das Gestern“ und jenem in die Zukunft. „Interessante Einblicke“ versprach Müller eingangs.

Lohberg sei „ein spannender Stadtteil“, meinte Bürgermeister Dr. Michael Heidinger. Die Zeche sei einst „eines der modernsten Bergwerke Europas“ gewesen. Heutige Pläne, dort neben 200 Wohneinheiten das „größte CO2-freie Areal Deutschlands“ zu schaffen, seien nicht „am grünen Tisch“ entstanden, betonte er. Alle Ideen stammten aus Dinslaken. Die Aufmerksamkeit, die das neue Quartier erfahre, zeige sich daran, so Heidinger, dass die Ruhr Triennale auf Lohberg eröffnet werden soll.

Im Schatten der Fördertürme

„Wie haben die Menschen im Schatten der Fördertürme gelebt?“, diese und ähnliche Fragen sollte die rund dreistündige Tour beantworten. Ebenso kundig wie unterhaltsam übernahm Gästeführerin Anja Sommer die große Gruppe. Direkt vor dem Ledigenheim gab’s die ersten Daten: 918 Häuser mit 1334 Wohnungen umfasse die sogenannte „Gartenstadt“. Das sei „ein städtebaulicher Begriff“, der aus England stamme. Bauherr August Thyssen griff den Ansatz einst auf und so entstand direkt gegenüber der damals neuen Zeche ein Stadtviertel vom Reißbrett.

Der Kniff dabei: Große bauliche Vielfalt, mit verschiedenen architektonischen Zitaten und eine abwechslungsreiche Gestaltung der Plätze schafften eine angenehme Wohnatmosphäre. „Jeder sorgt für den anderen“, Lohberg sei wie „ein kleines Dorf“, sagte die Gästeführerin.

Besonders gemütlich sei der Alltag zu Anfang des 20. Jahrhunderts nicht gewesen, stellte sie klar. Sie nannte ein Beispiel: Bis zu 200 Reichsmark verdiente ein Hauer im Monat. „40 Pfennige kostete ein Graubrot.“ Bei den damals oft kinderreichen Familien sei schnell zu sehen, „das wird eng“. So setzten die Bergleute weitgehend auf Selbstversorgung, auch in Lohberg.

Im Ledigenheim folgte eine Kaffeepause und Geschäftsführerin Janet Rauch erläuterte einige wichtige Fakten. So führte sie die Gruppe durch das im September 2014 eröffnete „DIZeum“, ein kleines Museum mit einem rekonstruierten Zimmer für die ledigen Bergleute.

Das Haus finanziere sich heute durch die Vermietung seiner Flächen erklärte sie. Die Berichterstattung mancher Medien über die Salafisten-Szene in Lohberg hätten die Arbeit der Stiftung nicht vereinfacht, im Gegenteil. Ihr Eindruck: Diese Debatte ebbe derzeit ab.

Auf der Zeche selbst wurde die große Gruppe geteilt: Anja Sommer und Bernd Lohse (RAG-Immobilien) führten durch den neuen Bergpark und die große Kohlenmisch-Halle, deren Dimensionen stets aufs Neue beeindruckte.