Letzte Zuflucht

Viel Zuspruch gab es beim Film „Letzte Zuflucht“ in der Lichtburg.
Viel Zuspruch gab es beim Film „Letzte Zuflucht“ in der Lichtburg.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Adnan Köse stellte gestern in der Lichtburg seinen Dokumentarfilm vor. Und lässt sowohl Flüchtlinge als auch Helfer zu Wort kommen.

Dinslaken..  „Du wirst mit jedem Schritt nackter, je weiter du fliehen musst. Deine Privilegien schwinden, dein Selbst...“ Eindringliche Worte sind es, die Khadra Sufi, in Hamburg lebende Moderatorin, Autorin und frühere Diplomatentochter, gedankenvoll mit dem Blick aufs Meer spricht. „Ein Leben ohne Arbeit ist sinnentleert. Wir leben, sind dem Krieg in Syrien entronnen, doch was ist das für ein Leben – ohne Arbeit?“ Nuri Mustafa lebt als Flüchtling derzeit mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Voerde. Alle verbindet sie eines – sie mussten aus ihrem Heimat vor Gewalt und Terror flüchten – und sind Protagonisten in Adnan Köses neuestem Dokumentarfilm „Letzte Zuflucht“.

In Vorpremiere wurde dieser recht eindrucksvolle Film in der Lichtburg gezeigt, gefördert vom Bundesministerium im Rahmen des Projektes „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“. 30 Minuten, so Köse im Anschluss, habe der Film nur dauern sollen, doch das Material sprengte den Rahmen, zwei Stunden ließ er Helfer und Flüchtlinge zu Wort kommen. Dennoch, ein wenig mehr Schnitt hätte dem Film gut getan und den Blick intensiver vor allem auf die Hilfe suchenden Menschen gelenkt und auf die Schwierigkeiten, auf denen sie in Deutschland stoßen. Einem Land, das sich relativ gut um Flüchtlinge kümmere, so Gerhard Greiner, ehemals Flüchtlingspfarrer, wenn auch zu wenig.

Sicherlich, alles wäre schlimmer, gebe es nicht Menschen wie Rosie Hannemann vom Flüchtlingsrat, Gerhard Greiner, Lilo Wallerich, die kürzlich einen Förderkreis Fliehburg ins Leben rief, das UNO Flüchtlingshilfswerk, die Caritas- und die städtischen Mitarbeiter nicht nur an der Fliehburg sowie die vielen ungenannten Helfer, die sich um all die Flüchtlinge in Dinslaken kümmern.

Aber da ist auch die Bürokratie, die es Viktor, dem Jungen aus Nigeria, fast unmöglich macht, eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker zu bekommen. Immerhin, so Köse, hat der junge Mann nun einen Praktikumsplatz in einem Autohaus gefunden. Sein einziges Manko: Bei einem Neuantrag auf Aufenthaltsgenehmigung lebte er erst fünf Jahre und sieben Monate in Deutschland, fünf Monate zu wenig, um eine Daueraufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Dauerhafte Heimat

Da sind Nuri Mustafa, seine Frau Almas Ali und die Kinder Ruslem und Sebri – nur zu gerne würde Nuri dem Land, das ihn aufgenommen hat, etwas zurückgeben, wenn er nur arbeiten dürfte. Aber auch von Erfolgsgeschichten ist zu hören, von der Schwarzafrikanerin und ihrer Tochter, dem Mädel aus dem Kosovo und ihrer Familie, die nach Jahren abgeschoben, wieder nach Dinslaken zurückkehrten. Beiden konnte die frühere Bürgermeisterin Sabine Weiss helfen, hier eine dauerhafte Heimat zu finden.

Alle teilen ein Leid, umso unverständlicher mutet es an, dass es zu vielerlei Spannungen, auch rassistischer Art, untereinander im Flüchtlingslager Fliehburg kommt, dass vor allem Schwarzafrikaner unter Vorbehalten leiden müssen. Doch wen wundert’s – nicht einmal ein Menschenleben ist vergangen, dass Deutsche aus dem Osten auf der Flucht vor Krieg und Tod waren. Das scheint nach 70 Jahren vergessen.