Leinen los an der Rotbachkant
05.09.2010 | 17:27 Uhr 2010-09-05T17:27:00+0200Dinslaken. Leinen los an der Rotbachkant. Die Bühne der Kathrin-Türks-Halle verwandelte sich Samstag fünf Stunden lang in ein an der Mole liegendes Segelschiff.
Möwen, Schiffsglocke, Anker und Seesack, Ufergras und Holzbalken, Rettungsring und Motorschraube, die Segel gespannt – allein das Ambiente ließ Sehnsucht nach Me(h)er aufkommen. Auf der Leinwand im Hintergrund schipperten Segelschiffe aller Größen über die sieben Weltmeere, aufgenommen und dem Shanty-Chor-Hiesfeld vom Segelclub Babcock für den maritimen Abend zur Verfügung gestellt. Eingelaufen in den Dinslakener Hafen waren neben dem Shanty-Chor-Hiesfeld (Leitung Thomas Baumann) als Veranstalter auch die „Boekaniers“ (Wim van de Kolk) aus Harderwijk, der „Beckedorfer Schifferknoten“ (Christiane Kockel), Pont Neuf und „Brasy“, das Quintett aus Polen. Sie alle wollten an diesem Abend die „Freunde maritimen Lebens zum Träumen bringen von den sieben Weltmeeren, dem Leben an Bord der Segelschiffe, die einst stolz die Meere befuhren, von den Seeleuten an Bord“. Dabei geht es darum, Geschichten zu erzählen, erklärte Moderatorin Heidi Neifer dem Publikum in der fast ausverkauften Halle. „Erzählungen aus aufregenden Häfen, von fremden Ländern, vom stürmischen Meer von und der Liebe.“ Shantys, so berichtet sie weiter, seien Lieder der Seeleute, die gemeinsam während der harten Arbeit gesungen wurden. Bedingt durch die unterschiedliche Art der Arbeit, haben sich drei Hauptarten bei den Shanties entwickelt: der Spillshanty beim Lichten des Ankers, der Halyard-Shanty beim Setzen der Segel oder wenn es darum ging, die Taue zu straffen wie beim Short-haul-Shanty.Dieser traditionellen Form haben sich alle vier Chöre verschrieben, inklusive Shantyman. Er ist der Vorsänger, der von den harten Bedingungen an Bord, dem schlechten Essen, der Liebe zu Mädchen und Seefahrt, den berüchtigten Hafenvierteln wie Reeperbahn und Ratcliff Highway, von Rum, Grog und Whisky berichtet. Während die anderen zustimmend einfallen. Ein jeder Chor, ein jedes Lied lässt das Publikum in Begeisterungsrufe ausbrechen. Ob „Drunken Sailor“, „Yellow Submarine“, ob englische, irische oder deutsche Lieder, ob auf platt oder polnisch gesungen, ob Wolga-schiffer oder Viermaster, die Lieder und Chöre begeisterten. Allen voran Brasy, die mit einer Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten, von rauhen, dunklen Seemansgesang über klassische Klangfülle bis hin zu den leisen, ruhigen Tönen, Gänsehaut hervorlockten. Ein besonderer Applaus galt auch dem 90-jährigen Johnny, einem Shantyman der „Beckedorfer Schifferknoten“, der von seiner Liebe zu „Molly Malone“ gefangen war. Die Hiesfelder, die mit traditionellen Songs die Seefahrt besangen und mit ihrem Potpourri aus bekannten Seemanns- und Volksliedern das Publikum einbanden – sie alle verdienten den donnernden Applaus und die nicht enden wollenden standing ovations.
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