Lehrer, Schüler und Dinkelkekse

Foto: FUNKE Foto Services
Nun ist das Stichwort „Waldorfschule“ für Kabarettisten ein gern benutztes Klischee für schnelle Lacher. Es geht aber auch anders. Das beweist das Programm „Restkultur geht zur Schule“.

Dinslaken..  Kupfertreiben, Imkern, Waldtage mit Sperlbaum. „Es fehlt aber ‘Umgang mit magischen Geschöpfen’“, bemerkt Herbert Menzel mit Blick auf den Lehrplan. Nun handelt es sich bei dieser Schule auch nicht um Harry Potters Hogwarts, sondern um die Schule hier in Eppinghoven: Eine Waldorfschule. In der Kinder das Abitur machen können, aber auch etwas lernen, was Menzel nicht kennt und auch nicht kriegen will: Eurythmie.

Nun ist das Stichwort „Waldorfschule“ für Kabarettisten ein gern benutztes Klischee für schnelle Lacher. Es geht aber auch anders. Mit einem abendfüllenden Programm und mit jeder Menge Selbstironie. Am Samstag hieß es für Herbert Menzel, Thomas und Bettina Hecker, Aurora Peters und Ingo Borchardts „Restkultur geht zur Schule“. Schauplatz des Kabarettabends: die Aula der Waldorfschule. Zuschauer: 250 Eltern, Lehrer, Kabarettbesucher. Zweck des Abends: Mit Humor das Waldorf-Projekt „Fürs Leben lernen“ unterstützen. Allein durch die Eintrittsgelder – Spenden fürs Buffet nicht eingerechnet, kamen 2500 Euro zusammen.

Das Bild der Waldorfschule mit ihrem anthroposophischen Weltbild erfüllt die Eltern vor dem ersten Hausbesuch der Lehrerin mit Panik. Der Fernseher! Er muss raus, das Wohnzimmer zur Beseitigung des verdächtig grinsenden Antennenkabels über Nacht renoviert werden. Dann der Besuch der Lehrerin. Die verschmäht die Dinkelkekse und fragt nach einem starken Kaffee. Die Eltern, die sie zuvor besucht habe, hätten vorgegeben, die perfekten Anthroposophen zu sein. Furchtbar. „Wie schön, dass bei ihnen so völlig unverkrampft die Fernsehzeitung auf dem Tisch liegt!“

Manches ist anders an der Waldorfschule. Aber Kinder sind Kinder und Lehrer sind Lehrer. Menschen, deren Tag in Schulstunden gerechnet wird, also 32 statt 24, das macht 484 Tage in einem Jahr, da braucht man mehr Ferien. Menschen, die nach der ersten Begegnung mit „der Macht gegenüber“ das Mark Twain-Zitat verstünden, das Erziehung die organisierte Verteidigung gegen die Jugend sei. „Und den Gegner kennen Sie ganz genau“, fährt Thomas Hecker als Prof. Dr. Artur Schleifer das Publikum an. „Es sind Ihre Kinder!“ Lehrer als Psychoklempner, die Schule als Ersatzteillager für Bildungsbausteine, die im Elternhaus fehlen. Schulkabarett im 21. Jahrhundert, die Schulform, öffentlich oder privat, ist längst egal.

Restkultur führt alternativen Unterricht ein, von der Akzentverschiebung des „Ei-ei-ei“ zum „ei-Ei-ei-ei-ei-ei“ zum Ruhrpottsong „Tu’sse dat ma da hin“. Dazu spielt der auch an der Waldorfschule tätige, also „gebrauchte“, Gitarrenlehrer Ingo Borchardts traurige Volksliedbearbeitungen in Moll.

Erst nach drei Stunden ist „Schluss mit lustig“. Viel Applaus für einen vergnüglichen Abend.