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Landratten unterhielten mit seebärenstarken Tönen

10.09.2007 | 01:13 Uhr

KULTUR. Beim Auftritt des Hiesfelder Shanty-Chors in der Kathrin-Türks-Halle stimmten Klima und Können.

DINSLAKEN. Ein weißes Segelschiff auf Leinentuch, echte Bohlen, auf denen nicht ganz echte Möwen hocken, ein Leuchtturm, der wirklich blinkt und dazwischen 47 Männer in Seemannstracht. Der Shanty-Chor-Hiesfeld setzte vorgestern seine Segel Richtung Kathrin-Türks-Halle. Sein Einlaufen in Dinslakens größter überdachter Kulturanlegestelle wurde von 600 Zuschauern gefeiert. Mit an Bord, Pont Neuf und das Fürstliche Trompetercorps Rheda.

Echte Planken ohne Schlagerlack

Es war auf den Tag genau vor fünf Jahren, dass das Projekt Shanty-Chor im Mühlendorf Hiesfeld vom Stapel lief. 15 Neumatrosen heuerte Norbert Raymann an. Thomas Baumann wurde als Kapitän verpflichtet, um den Landratten seebärenstarke Töne beizubringen. Das Schiff "Shanty-Chor" wurde seetauglich, seine Landgänge in Dinslaken, Bremen Vegesack und Grieth wurden Erfolge; die Besatzung wuchs. Sicherlich nicht nur, weil Kapitän Baumann darauf achtet, dass die alten, folkigen Planken, aus denen das Schiff "Shanty Chor" gebaut ist, nicht unter gefälligem Schlagerlack verdeckt werden, sondern weil das Klima an Bord Sonnenschein verspricht. Die Mannschaft ist für jeden Spaß zu haben;der Kapitän selbst geht mit leuchtendem Beispiel voran.

Mit Seeromantik hatten Shantys einst wenig zu tun. Sie rhythmisierten die Arbeit an Deck. Der Vorarbeiter wird zum Vorsänger. Kleine Freuden, wenn der Appell zum Besanmast ruft: Dann gibt's für die Mannschaft Rum zur Belohnung. Für den Shanty-Chor-Hiesfeld bedeuten diese Gesänge: viele Gelegenheiten, viele Solisten nach vorne zu bringen. Ganz ernst hält das die muntere Crew natürlich nicht durch, beim "Drunken Sailor" schubsen sich die Solisten gegenseitig vom Mikro. Die Mannschaftsdiziplin wurde schon vorher auf die Schüppe genommen: Nach der Pause trudeln die Sänger von allen Seiten des Saals auf die Bühne.

Nun regen die Texte auch an, nicht alles ganz bierernst zu nehmen. Bier spielt in den Liedern nämlich keine Rolle, nur der Rum. Da schwankt ein Schiff bedenklich unter einer Ladung Rum, die Matrosen helfen und bechern ihn weg.

Mit dem Folktrio durch Europa

Trinklieder bilden die Verbindungswege zu Pont Neuf. Das Folktrio mit Thomas Baumann führte auf Landgänge in ganz Europa, die das Publikum fröhlich und lautstark mitging. In Irland endet "Finnegan's Wake", "Finnegans Aufbahrung" mit der Wiederbelebung der "Leiche" durch Whiskey, hessische Saufbrüder babbelen, während in Piräus das Mädchen im Hafen wartet. Der Posaunist des Fürstlichen Trompetercorps Rheda musste als "Alphorn" in den Dolomiten herhalten.

Dessen bemerkenswert junges Orchester hielt es zum Ende der eigenen Darbietungen nicht mehr am Platz: "Rock around the Clock". Improvisierte Scherze und Zugaben aller Beteiligten, der Landgang des Shanty-Chors dauerte drei feuchtfröhliche Stunden. (bes)

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