Kunst-Räume

Kunst und Kultur im Aufbau. So bauten ehemalige Bergleute fürs neue DIZeum im Ledigenheim einen so genannten Türstock nach traditioneller Technik.
Kunst und Kultur im Aufbau. So bauten ehemalige Bergleute fürs neue DIZeum im Ledigenheim einen so genannten Türstock nach traditioneller Technik.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
2014 war das Jahr der Um- und Neubauten, der genutzten Leerstände und der Einweihungen. Ein Spaziergang zwischen Theatern und Museen – ohne „Galerie“.

Dinslaken / Voerde / Hünxe..  Wenn einem Ende 2014 in Theater- oder Konzert-Pausen die Frage gestellt wurde, ob man schon in der „Galerie“ gewesen wäre, durfte man sich nicht von der Begrifflichkeit irritieren lassen. Mit der „Galerie“ war das neue Einkaufszentrum gemeint. Dabei gab es gerade in diesem Jahr einige räumliche Veränderungen auch in Sachen Kunst und Regionalgeschichte. Und einiges davon ist weiterhin Baustelle.

Doch zunächst die Neueröffnungen. Wie die Remise im Tenterhof. Ohnehin 2014 ein Ort vieler Veränderungen. Thorsten Weckherlin und Lars Helmer wechselten nach Tübingen, Stefan Ey und Daniele Nese verabschiedeten sich als Leiter des Kinder- und Jugendtheaters bzw. festes Ensemblemitglied mit „Clockwork Orange“. Ort der bemerkenswerten Bühnenadaption: eben jene Remise, die dank des Engagements des Fördervereins Freunde der Burghofbühne saniert und spielfähig gemacht werden konnte.

Vor einigen Wochen dann konnte Mirko Schombert, der neue Intendant der Burghofbühne, anlässlich der ersten Jugendtheaterinszenierung von Stefan Eys Nachfolgerin Anna Scherer die Heizung im ehemaligen „Kutschenstall“ hochfahren lassen. Da wird’s dem Dinslakener Theaterpublikum doch ganz warm ums Herz.

Apropos „Kutschenstall“: auch die „Kutscherstube“ in der Dinslakener Burg ist wieder geöffnet. Wie versprochen half man in der Verwaltung den Betreibern des ehemaligen „Victor Hugo“. Nun gibt es Konzerte in der winzigen, urigen Kneipe im Rathaus. Eine prima Sache. Über der Kutscherstube stapeln sich bislang noch die Dokumente des Stadtarchivs. Das wird sich 2015 ändern. Der Archivneubau am Voswinckelshof schreitet sichtbar voran. Das Museum selbst, das nach der erfolgreichen Japan-Ausstellung zur Renovierung geschlossen wurde, fand mit der von Schülern kuratierten Weltkriegsausstellung „Erinnerung an die Urkatastrophe“ einen (auch noch im neuen Jahr) sehenswerten Neustart. Es kann allerdings sein, dass auch die Baustellensituation zum Ausblick 2015 gehört...

Hünxe bekommt ein neues Museum: der Heimatverein stellte seine Pläne für die Wassermühle von Schloss Gartrop vor.

Kleinkunst ganz groß

Gebaut wurde auch im Ledigenheim. Ehemalige Bergleute setzten ihr Fachwissen ein und bauten einen Stollen mitten ins neue Dizeum, dem Museum für bergmännisches Leben. Ein paar Hundert Meter östlich wurde der Bergpark eröffnet, die Kunst darin folgt 2015. Und dazwischen wurde abgerissen. Vom Kiosk, dem Kunstkiosk 22, blieb nur noch die Fassade und ein paar Erinnerungsstücke. Aber es soll wieder Leben in die Bude kommen. Engagierte Handwerker wollen den Kiosk nach den historischen Plänen von vor 100 Jahren wieder aufbauen.

Bereits eröffnet ist die derzeit kleinste Spielstätte Lohbergs: Das Theater Halbe Treppe im ehemaligen Lehrerzimmer der Johannisschule. Im Dezember feierte das ehrenamtliche Team um Kordula Völker den Abschluss der ersten erfolgreichen Reihe: Kleinkunst ganz groß. Und auch Buchhändler aus Dinslaken und Voerde bereichern die Kulturszene mit Lesungen.

Natürlich wurde 2014 nicht nur auf- und ausgebaut, sondern auch einfach nur Kultur gemacht: der Förderverein Herz Jesu-Kirche Oberlohberg zeigte Otto Pankok, Matthias Fontheim für die Burghofbühne seine Interpretation des „Faust“. Die Jazz Initiative Dinslaken lockte mit Worldmusic, darunter das neue Trio von Samirah Al-Amrie: so schön klingt die Städtepartnerschaft von Dinslaken und Arad.

In der ev. Stadtkirche trifft man sich auch 2015 zum „Rendezvous nach Ladenschluss“. Das Fantatival glänzte mit BAP unplugged, dem Wirbelwind am Flügel Christopher Park und der Acapella Formation Maybebop.

Anlässlich des Day of Song versammelte der Shanty Chor Hiesfeld über 1800 Seemannsliederbegeisterte aus mehreren Ländern zum gemeinsamen Singen: Weltrekord! Der MGV Liederkranz Barmingholten feierte sein 125-Jähriges, die Lohberg Voices ihr 30-Jähriges. Der Werkschor Pintsch Bamag jedoch löste sich auf. Die traditionellen Chöre plagen Nachwuchssorgen, Zukunft ungewiss.

Festivals : rätselhaft

Aber auch im Bereich Rockmusik zeigten sich gerade in Hünxe Lücken: Das „Extremefest“ für Metal-Fans und das „Rock and Bike“ fanden 2014 nicht mehr statt. Die hervorragenden Festivals im Innenhof der Dinslakener Kuka mit den Headlinern Layla Zoe und Jon Gomm werden wohl angesichts zu geringer Zuschauerzahlen auch nicht fortgesetzt. Die Gründe dafür: rätselhaft.

Wenigsten dem Fantastival scheint es gut zu gehen. Für den Auftritt von Gentleman im nächsten Sommer sind bereits jetzt 500 Karten vergriffen. Wer Ray Wilson (Genesis, Stiltskin) im Mai verpasst haben sollte oder einfach seine Unplugged-Show einfach noch einmal genießen möchte, hat die Chance am 15. Januar im Ledigenheim.

In Dinslaken und Voerde selbst zieht es Musiker mit Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus auf die Bühne und zu den Radiostationen: Galahad veröffentlichten Anfang des Jahres ihre „Season’s Greetings“, im Dezember erhielten sie den Rock und Pop Preis 2014 in der Kategorie beste Folkrockband und nahmen zudem einen zweiten Preis für den besten Folkrocksong entgegen. Messiah’s Kiss meldeten sich nach sieben krankheitsbedingt schweren Jahren mit „Let your Bulls out!“ zurück, The Rumours veröffentlichten „That’s right, you’re wrong“. Imagine feierten ihr 25-Jähriges, Weekly Carrouse ihr 20-Jähriges.

Das Maaß ist voll

Und auch das gehörte zu 2014: In gleich drei Konzerten gab es Solo-Bearbeitungen der „Rhapsody in Blue“ für Klavier, Orgel und Akkordeon. Dolly Buster präsentierte sich in „Das Maaß ist voll“ als ernstzunehmende Künstlerin, der fantastische Bluesmusiker Paul Millns spielte im „Altstadtsommer“ auf dem Altmarkt umsonst und draußen. Und Blogger Stuart Nicol besuchte Künstlerinnen und Künstler aus Dinslaken, Voerde und Hünxe zu Fuß.

Abschied nehmen hieß es von Julius Seifert. Der Grafikdesigner und Maler verstarb im März 2014. Die Denkmäler in Götterswickerhamm und Mehrum, die Wasserspiele in Dinslaken und die vielen Firmenlogos und Vereinsembleme, die er geschaffen hat, werden in der Region und darüber hinaus die Erinnerung an ihn lebendig halten.

Kunst statt Leerraum

Und noch einmal Kunst-Räume. Svenja Krämer und Ben Perdighe präsentierten in leerstehenden Ladenlokalen „Kunst sta(d)tt Leerraum“ unter anderem mit dem international renommierten Tape-Art-Künstler Max Zorn. Fortsetzung folgt. Auf das 2015 den Künsten soviel Raum gegeben wird wie im vergangenen Jahr.