Klosterklänge im Ledigenheim

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Dinslaken..  Die Männer singen ihr „Kyrie eleison“ mit meditativer Andacht. Die einstimmige Melodie fließt in kleinen Auf- und Abwärtsbewegungen ihrem lang gehaltenen Ruhepunkt zu. Jetzt die Augen schließen und man kann sich in einem alten Kloster wähnen. Aber die sieben Sänger sind keine Mönche, – auch wenn sie so gekleidet sind – und der Ort ist keine Kirche. Im Ledigenheim Lohberg präsentierte am Donnerstag der ukrainische Chor Gregorianika sein „Ora et labora“-Programm.

Die Wurzel seines Repertoires: Der einstimmige gregorianische Choral. Doch „Gregorianika“ lassen sich nicht wirklich festlegen. Auch im Ledigenheim mischten sie mittelalterliche Gesänge, ukrainische Volkslieder in mehrstimmigen Sätzen und A capella Pop zu ihrer eigenen, ohne akustische Verstärkung gesungenen Mischung.

Vom Spirituellen ins Mystische

Bei einem Konzert vor Gregorianika kann man geradezu die Entwicklung des mehrstimmigen Gesanges nachvollziehen. Die einfachste Art der Mehrstimmigkeit ist es, die Melodie auf einen durchklingenden tiefen Grundton zu singen. Das „Mönchsgebet“ und das Antiphon „Caritas habundat“ folgen dieser Art des Arrangements: die Wirkung geht vom Spirituellen ins Mystische.

In den letzten Jahrzehnten wurde im Zug des musikalischen Mittelalter-Revivals in Rock und Pop mit solchen Effekten gespielt. Auch Gregorianika setzten auf solche Eigenkompositionen, besingen „Ritter in scheinender Rüstung“, vertonen lateinische Texte mit mehrstimmigem Gesang zwischen Moll und Kirchentonarten.

Dabei blühte im Mittelalter die Mehrstimmigkeit in einer filigranen Pracht auf, die bis heute ihresgleichen sucht. Auch dem werden Gregorianika gerecht.

Von da aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zu den ukrainischen Volksliedern in Arrangements, die ganz in der Tradition osteuropäischen Chorgesangs stehen. Tiefe Bässe, glasklare Tenorstimmen. Hinter „In cantabile“ verbirgt sich das Altenglische „Scarborough Fair“. Wie in der Gregorianik steht die Melodie im Zentrum, aber nun wird sie akkordisch begleitet. Auf Kirchenlieder folgt „Yesterday“ der Beatles.

Das Septett Gregorianika singt Jahrhunderte Musikgeschichte auf ihrer Art. „My way“: Auch dieser Sinatra Titel stand am Donnerstag auf dem Programm.