Klein, stark, schwarz

Dinslaken..  „Wisst ihr, was hinter dem Vorhang ist?“, fragt Mirko Schombert die Kinder in der Kathrin-Türks-Halle. Natürlich! „Das kleine Gespenst“ ruft ein Junge aus dem Saal und die Hälfte des Publikums weiß sogar noch mehr: Es kennt den modernen Kinderbuch-Klassiker von Otfried Preußler, der auch unlängst verfilmt wurde. Gestern nun feierte die Burghofbühne die Premiere ihres kleinen Schlossgespenstes, das so gerne einmal die Welt bei Tage sehen würde, aber an den Glockenschlag der Kirchturmuhr von Eulenberg gebunden ist. Intendant Mirko Schombert inszenierte die liebenswerte Geschichte als Familienmusical mit Mitmachaktionen, Verfolgungsjagd und satirischen Spitzen auf die Welt der Erwachsenen.

Markus Reyhani setzt musikalisch auf flotten Mitklatsch-Pop, der Uhrmacher Zifferle (Marko Pickart Álvaro) darf sich seiner tickenden Leidenschaft auch im Pink-Panther-Sound hingeben. Elisabeth Pedross geht für die Kulisse den Weg genau in die andere Richtung: Mit kräftigen Pinselstrich und knalligen Farben stattet sie die Bühne als verspieltes Papiertheater aus.

Dies ist der Schauplatz nicht nur für die nächtliche Geisterstunde, die das kleine Gespenst (Carlo Sohn) mit dem plüschigen wie bedächtigen Uhu Herr Schuhu und den lebenden Bildern der Gräfin Genoveva (Julia Kempf) und seinem alten Gegner Thorsten Thorstensen. Den alten Schweden verjagte das kleine Gespenst unerkannt von den Eulenbergern vor 325 Jahren aus dem Städtchen. Genau dort, wo nun an das Ende der Belagerung mit einem Festumzug erinnert werden soll. Doch bevor der Bürgermeister sich in der Rolle des Generals bejubeln lassen kann, verstellt der Geselle des Uhrmachers (Christoph Bahr) die Turmuhr um 12 Stunden.

Endlich kann das Gespenst die Welt am Tage erleben. Dies aber hat seine Tücken. Das Tageslicht färbt das Nachtgespenst gruftig schwarz. Und die Menschen reagieren auf das fremde Wesen mit Abscheu, Angst und Härte. Bald entlarven sich Bürgermeister und Polizist als eine Staatsgewalt, die nur ihre eigene Eitelkeit füttert, das kleine, schwarze Gespenst, das Carlo Sohn flink und frech interpretiert, wird in die Anarcho-Rolle gedrängt. Die Kinder lachen, wenn es Bürgermeister und Polizisten mit Pflaumen bewirft, Erwachsenen kommen die Bilder von Demos irgendwie vertraut vor.

Bald möchte das Gespenst wieder zurück in die Nacht. Aber auch am Tag hat es Freunde gefunden. Den Teenager Lisa (Lara Christine Schmidt) und Robert (Benedikt Thönes), gelingt es nicht nur, den Menschen klar zu machen, dass das Gespenst einst ihre Stadt rettete, sie sorgen auch dafür, dass kleine Gespenst im blütenweißen Gewand mit seine Freunden im Schloss die Geisterstunde feiern kann. Tosender Applaus für einen turbulenten Theaternachmittag.

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