„Kinder, Kinder, wie die Zeit vergeht“

Dinslaken..  „Ja, wat so ne Erna is’, dat is’ schon eine ganz besondere Marke - und so’nen Bingonachmittag is’ doch wat ganz Feines.“ Das konnte man nach fast drei sehr vergnüglichen Stunden mit der Begründerin des Theaters „Halbe Treppe“, Kordula Völker, in ihrer Rolle als wunderbar-komische Erna Coslowski und ihren Gästen beim Jubiläumsgastspiel „Erna hat Besuch“ im Ledigenheim festhalten.

„Kinder, Kinder, wie die Zeit vergeht“, hatte die Erna alias Kordula zum Auftakt gitarrenspielend und singend mit ihrem typisch direkten Slang nicht nur auf die Zeiten zurückgeblickt, als die Milch noch Milch war „und nicht laktosefrei“.

„Das war damals ein Spontan-Ding“, gestand sie in der Pause, dass sie nie daran gedacht hätte, dass aus einer Präsentation mit Vorhang auf einer Treppe im Ledigenheim-Büroflur mal ein solches Projekt werden würde, das mittlerweile einen eigenen Wohnzimmer-Theaterraum in der ehemaligen Johannesschule hat. „Jetzt aufhören, wäre doof“, meinte die Kabarettistin und treibende Kraft des Ganzen, die besonders beim Bingo in ihrem Humor-Element war. „Dass das aber normal bleiben wird, darauf werden wir achten“, unterstrich Programmplaner Marcus Wallerich als einer der vielen Ehrenamtler, die das Projekt tragen, wie wichtig Bodenhaftung und Authentizität weiterhin bleiben sollen. „Es ist natürlich, nicht gekünstelt, und die haben selbst Spaß daran“, untermauerte die Aussage von Irene Dammrose als Zuschauerin diesen Gedanken.

Entsprechend gestaltete sich der Jubiläumsnachmittag im gemütlichen Omasessel mit Stehlampe „bei der Erna“. So trat mit ihr die Ratingerin Barbara Bobbert als Aktionstagsveteranin Matta Borowski in Erscheinung. Gemeinsam sang sie mit Erna und dem Publikum „Biste glücklich“ als Abwandlung von „Singin jippie jippie yeah“ mit Stapf-und Schmatzelementen.

Beeindruckend geriet der Auftritt der alten Dame Ruth Wendt, der mit 87 Jahren ältesten Kabarettistin Dinslakens, die in bestem Berlinerisch mit dem Edit-Schollwer-Stück „Ach, jott, wat sind die Männer dumm“ den Geist der 1920er Jahre wiederaufleben ließ.

Der Oberhausener Jürgen Hennighofen unterhielt mit Telefongesprächen mit Mama über hormonelle Unzulänglichkeiten, Rita Beeker und Andrea van Dorsten – Mitglieder der „Kalauer“ als erstem eigenen THT-Ensemble – sorgten als Sorgenpatientin und Psychologin für Lacher.

Für das belebende Showelement war die Fünfer-Frauentruppe „Los Rollis“ zuständig, die mit ihrem abgedrehten Handtaschen-Wechsel-dich-Tanz und als bewegungsfähige Bühnen-Saubermachkolonne mit Eimer und Wischmob brillierte.

Und am Ende sang Erna Coslowski alias Kordula Völker mit allen Beteiligten und Aktiven des Theaters „Halbe Treppe“ auf der Bühne mit dem Publikum das „Dinslaken-Lied“ – und bedankte sich für einen „zauberhaften Nachmittag“.