Kickerturniere auf der Straße ausgetragen

Dinslaken..  Heinz Boß ist vielen Dinslakener bekannt – als früherer stv. Bürgermeister von Voerde, als Vorsitzender des dortigen Heimatvereins und als Betriebsratsvorsitzender der Firma Pintsch Bamag. Im Februar 1946 in Voerde geboren, verbrachte er die ersten Jahre seiner Kindheit in Dinslaken. „Mein Vater wurde Anfang 1945 in Stalingrad schwer verwundet. Er verlor sein rechtes Bein bis zum Knie und kam noch, gottlob, mit dem letzten Flieger zurück“, erzählt er. Die Familie, Vater, Mutter und Schwester, wohnte zu jener Zeit auf der Talstraße 17 in einer Zwei-Zimmer-Wohnung.

Der Wohnung gegenüber gab es den „großen“ Bauernhof der Familie Kassen. „Die hatten einen Sohn namens Willi. Wir beide wurden die besten Freunde.“ In seiner Erinnerung habe er jene Zeit als eine sehr unbeschwerte und fröhliche erlebt. Der Vater, ein großer Fan des VFB Lohberg, nahm seinen Sohn zu allen Heimspielen des Vereins mit und so „war meine Liebe zum Fußball vorgegeben“. Wie jeder kleine Junge, wollte auch Heinz nur eines – Fußballspielen. „Damals, es gab ja noch keine F- und E-Jugend bei den Vereinen, kickten wir sorglos auf der Straße. Es gab kaum Autos und so konnten wir Turniere austragen, ohne gestört zu werden.“ Außerdem, so erzählt er, habe es auf der Düppelstraße, hinter der Firma Pintsch Bamag, einmal in der Woche einen Rollerverleih gegeben. „Für uns Kinder ein Riesenerlebnis. Ich glaube, 20 Pfennig kostete eine halbe Stunde Fahrt mit dem Roller.“

Damals konnte der Knirps noch nicht wissen, dass jene 1948 erbaute Firma in seinem Leben eine große Rolle spielen würde. Doch zurück zur Kindheit, sie währte nicht lange in Dinslaken. 1952 in der Klaraschule eingeschult, musste Heinz Boß diese in der zweiten Klasse wieder verlassen – die Familie zog zurück ins Haus der Großmutter nach Voerde. Drei Häuser und ein Bauernhof lagen am damaligen Verbindungsweg, „der Rest war soweit das Auge reichte, nur Feld und Wiese“. Heinz Boß ulkt: „Somit hatte man durch die ländliche Struktur jede Menge freie Sicht. Ich konnte schon montags erkennen, wer samstags zu Besuch kam.“

Heinz Boß lebt noch immer in Voerde. Seine berufliche Zeit verbrachte er jedoch überwiegend in Dinslaken, in jener Firma, die damals gleich „um die Ecke lag“. 39 Jahre arbeitete er dort, war lange Jahre Betriebsratsvorsitzender und bestimmte als solcher die Geschicke der Firma ein wenig mit. Seinen Jugendfreund Willi traf er im Laufe der Jahre noch häufig, meist dienstlich – denn Willi Kassen ist seit Jahr und Tag dem DRK-Kreisverband Dinslaken-Voerde-Hünxe treu ergeben und für die Ausbildung der Ersthelfer/Sanitäter verantwortlich. big