Kettensägenspektakel

Tobias Haun bei der Königsdisziplin: Die Motorsäge beim „Hot Saw“ hat 80 PS, die Ketten rattern bis zu 240 Kilometer pro Stunde.
Tobias Haun bei der Königsdisziplin: Die Motorsäge beim „Hot Saw“ hat 80 PS, die Ketten rattern bis zu 240 Kilometer pro Stunde.
Foto: Limex Images/Andreas Schaad NRZ
Die Stihl Timbersports Serie kommt am Samstag ins Dinslakener Burgtheater. Was das heißt? Ein Wettkampf mit dröhnenden Motorsägen und kräftigen Axthieben.

Dinslaken..  Mit Wucht schlägt die Axt im Baumstamm ein. Die Treffer sind präzise, die kräftigen Männer in den Internetvideos blicken konzentriert. Sie stehen nur auf einem wackligen Holzbrett – zwei Meter über dem Boden. Das oberste Stück vom Baumstamm muss ab, das ist das Ziel. Der nächste Webclip. Ein Motor heult laut auf, aufgemotzte Kettensägen zerlegen einen Baumstamm in Sekundenschnelle in feine Scheiben. Timbersports nennt sich dieses Spektakel, die starken Typen in den Filmen sind Sportholzfäller. Am Samstag messen sich die besten deutschen Athleten im Burgtheater.

In sechs Disziplinen treten sie gegeneinander an, drei Mal kommt die Axt zum Einsatz, drei Mal die Säge. Mit herkömmlichen Kettensägen aus dem Baumarkt haben die aufgemotzten Sportgeräte allerdings recht wenig gemein. Die Motorsägen sind getunt, wiegen bis zu 30 Kilo und kommen auf rund 80 Pferdestärken. Wenn sie hier in der Stadt zum Einsatz kommen, geht es für zwei Frauen und fünfzehn Männer um die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft.

Einer von ihnen ist Robert Ebner. Bei ihm passen Beruf und Hobby wunderbar zusammen. Im normalen Leben kümmert sich der Forstwirtschaftsmeister um die Sicherheit der Waldarbeiter in seiner fränkischen Heimat. Nach Feierabend bleibt er dem Holz verbunden, schnappt sich Axt und Motorsäge und zerlegt Baumstämme auf diverse Arten in ihre Einzelteile. Zusammen mit einem Freund trainiert Ebner beinahe täglich. „Reingekommen in den Sport bin ich über die Arbeit“, erzählt der 29-Jährige. Die Kombination zwischen Job und Sport ist in der Szene keine Seltenheit. Schaut man sich die Profile der Sportler im Internet an, findet man nicht wenige Forstwirte und Zimmerer. „Das ist aber schon ein bisschen Klischee“, sagt Ebner. „Es gibt bei uns auch Anwälte, Maschinenbauer oder Mechaniker.“

Die Sportart hat eine lange Historie, ihre Wurzeln liegen in den Wäldern Neuseelands. Dort war sie ursprünglich ein Kräftemessen der Waldarbeiter. Im 19. Jahrhundert gelangte die Tradition in die USA und nach Kanada. Seit 1985 tourt eine professionelle Wettkampfserie unter dem Sponsorennamen des baden-württembergischen Maschinenbauers Stihl durch die Vereinigten Staaten, seit gut 15 Jahren gibt es auch in Deutschland regelmäßig solche Veranstaltungen.

Traditionelle Arbeitstechniken

Robert Ebner gehört zu den deutschen Spitzenleuten im Timbersports, vier Mal war er Deutscher Meister, 2010 wurde er sogar Vize-Weltmeister. Was ihn an der Sportart begeistert? Gar nicht unbedingt der ohrenbetäubende Lärm der Kettensägen. „Mich fasziniert die Geschichte“, sagt Ebner. Ein Großteil der Disziplinen ahmt die traditionellen Arbeitstechniken der Waldarbeiter nach, so wird etwa beim „Standing Block Chop“ das Fällen eines Baumes simuliert.

Entscheidend für den Erfolg im Wettkampf ist nicht bloß die Kraft. Kaum weniger wichtig sind die richtige Technik, Reaktionsschnelligkeit und Nervenstärke. Drei Männer (oder Frauen) werden bei den Wettkämpfen gemeinsam auf der Bühne stehen. Das direkte Duell hat etwas von einem Gladiatorenkampf, meint Ebner, der sich die Dinslakener Location schon im Internet angeschaut hat: „Das Burgtheater passt gut zu uns.“

Los geht der „Amarok Cup“ am Samstag um 12.30 Uhr mit der Präsentation der Athleten. Um 13.00 Uhr beginnt der Wettkampf. Die Siegerehrung ist für 17.30 Uhr geplant. Tickets können an allen bekannten Vorverkaufsstellen in der Stadt erworben oder an der Tageskasse gekauft werden und kosten 5 Euro.