Keine Angst vor der Verantwortung
10.02.2012 | 18:30 Uhr 2012-02-10T18:30:00+0100
Dinslaken. Betina (Roswitha) Kasperek führt seit 42 Jahren ihren Friseursalon. Kind und Karriere -- für sie war das nie ein Problem.
Vom Sitzen im Chefinnen-Sessel kann man bei Roswitha - genannt Betina - Kasperek nicht sprechen. Denn eigentlich sitzen ihre Kunden im bequemen Stuhl, sie steht mit Kamm und Schere dahinter. Seit 42 Jahren ist Betina Kasperek selbstständige Friseurmeisterin, Inhaberin eines kleinen, aber schicken Salons auf der Duisburger Straße. 42 Arbeitsjahre, viele denken da bereits an den Ruhestand, an all das, was sie in ihrem Leben noch erleben möchten. Betina Kasperek hingegen hat die neuen Haarmodetrends im Kopf, denn an einen Rückzug ins Privatleben denkt die quirlige 64-Jährige noch lange nicht. „Ich liebe meinen Beruf nach wie vor.“
Auch als Chefin immer präsent sein
Häuser gestalten, sie einrichten und wenn schon nicht das, dann wenigstens Frisuren kreieren, das sei schon immer ihr Wunsch gewesen. Doch die Mutter war zu arm, um ihrer Tochter in jener Zeit den Weg zum Gymnasium und der Uni ebnen zu können. Damit war Traum Nummer eins ausgeträumt, noch ehe er annähernd Wirklichkeit werden konnte. Also stürzte sich die damals 14-Jährige in den zweiten Traum: den Friseurberuf. Und dies mit einer solchen Leidenschaft, dass sie sich bereits in der Lehrzeit einen Kundenstamm aufbaute. Ihr Lohn: Nach nur drei Jahren als Gesellin durfte sie mit Sondergenehmigung zur Meisterschule (eigentlich sind fünf Jahre Bedingung). Mit 21 Jahren legte sie die Prüfung ab, als jüngste in NRW. Auch ausbilden durfte sie sofort.
Angst vor der Verantwortung habe sie nie gehabt, auch damals nicht, als sie nach der Meisterprüfung ihr Geschäft aufbaute. „Ich hatte ja meine Kunden, die treu zu mir hielten. So lief das Geschäft von Anfang an bombig“, erinnert sich die Unternehmerin. Zehn Jahre führte Betina Kasperek ihren Friseursalon in Marxloh. Als immer mehr Kunden nach Dinslaken zogen, folgte sie ihnen und knüpfte hier nahtlos an ihre Duisburger Erfolge an.
„Einen Einschnitt gab es in all den Jahren nicht. Allerdings ist mein Grundsatz: Die volle Kasse am Abend gehört nicht mir. Ich habe mein verdientes Geld nie mit vollen Händen ausgegeben, sondern sinnvoll eingesetzt. Als Selbstständige muss ich auch mal Wochen durchstehen können, in denen das Geschäft etwas ruhiger läuft.“ Und noch einen Grundsatz hat sie sich über 42 Jahre bewahrt: Als Chefin auch tagtäglich im Betrieb zu sein.
Selbstständig heißt: selbst und ständig
„Selbstständig heißt nicht umsonst: selbst und ständig“, so die Friseurmeisterin. „Wer glaubt, sich schöne Tage machen zu können, nicht immer präsent zu sein oder nur stundenweise arbeiten will, der sollte lieber angestellt bleiben.“ Die Selbstständigkeit sieht Kasperek jedoch auch als Chance für Frauen. Kaufmännische Erfahrung gehöre dazu, Liebe zu dem was man macht und das Wissen, selten einen pünktlichen Feierabend zu haben. Verantwortung zu tragen, gehöre ebenfalls dazu. „Ich bin immer für mich selbst verantwortlich gewesen“, so die Unternehmerin, „Und bin glücklich dabei. Wenn man glücklich ist, dann läuft’s auch mit der Karriere.“
Sie muss es wissen, denn einfach war das Leben für Betina Kasperek nie. Als ihre Tochter sechs Jahre alt war, ließ sie sich scheiden, zog die Tochter allein groß und schaffte es dennoch, ihren Friseursalon zu führen. „Ich hatte und habe gute Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann. Das macht viel aus.“
Das Netzwerken hat sie hingegen erst lernen müssen. Ist nun im Unternehmerinnen Forum Niederrhein und bei GUT, dem Gründerinnen und Unternehmerinnen Netzwerk in Dinslaken Mitglied. „Männer kennen diese Art des Miteinanders seit Jahrhunderten“, so Kasperek. Gegenseitige Unterstützung und Hilfe, Empfehlungen untereinander, Förderung der Geschäftskontakte – ein Muss für jede selbstständige Frau, so ihre Empfehlung.
0mitdiskutieren