Kaspar-Theater

Der Voerder CDU steht im Stadtrat eine unangenehme Entscheidung bevor. Es geht um nicht weniger als die Frage, ob die Frau, mit der sie 2014 in das Rennen um den Chefposten im Rathaus gezogen ist und die sie einige Jahre zuvor als Beigeordnete und Kämmerin nach Voerde geholt hat, in ihren Aufgaben inhaltlich wie personell erheblich beschnitten wird. Dass die vom Verwaltungschef beabsichtigte Neuordnung der Dezernate exakt dies bedeuten würde, steht außer Zweifel. Fraglich indes scheint, ob sich die Christdemokraten am Dienstag geschlossen hinter Simone Kaspar stellen werden, mit der sie vor einem Jahr noch einen durchaus engagierten Wahlkampf um das Bürgermeisteramt geführt haben. Fakt ist, dass es bislang von der CDU kein klares öffentliches Bekenntnis zu Kaspar in dem Sinne gegeben hat, dass sie sich gegen eine Neuausrichtung der Dezernate stemmen will. Selbst im Haupt- und Finanzausschuss, wo das Thema erstmals öffentlich zur Debatte stand, meldete sich die CDU nicht zu Wort, der Punkt wurde wegen Beratungsbedarfs vertagt – womit Spekulationen erst recht Tür und Tor geöffnet wurden. Unter normalen Umständen wäre davon auszugehen, dass die CDU ihrer Dezernentin mehrheitlich den Rücken stärkt und gegen den Vorschlag des Bürgermeisters votiert. Tut sie es nicht, stellt sich die Frage, was dahinter steckt: Ist es politisches Kalkül, getragen von der geradezu fatalistischen Einstellung, angesichts der Mehrheiten im Stadtrat ohnehin nichts daran ändern zu können und die Zusammenarbeit mit dem SPD-Verwaltungschef nicht trüben zu wollen? Hat überdies das Verhältnis der CDU zu Kaspar Risse bekommen?

Offiziell heißt es von Seiten des Bürgermeisters, die Dezernentin soll sich auf das wichtige Thema Finanzen konzentrieren und dafür die Kernbereiche Schulen, Soziales und Jugend sowie Sport und Kultur abgeben, um als Kämmerin Freiräume zu bekommen. Dieses Argument alleine trägt nicht, um ihr derart viel Verantwortung aus der Hand zu nehmen und sie auf ein Feld zu reduzieren, auf dem sie sich schwerlich profilieren kann. Mit der Arbeit der Dezernentin ist Haarmann eigenem Bekunden zufolge zufrieden und er selbst, der ihre Bereiche übernehmen will, dürfte sich schon heute kaum darüber beklagen, zu wenig zu tun zu haben. Die Gründe liegen also tiefer, als der Bürgermeister es in seiner offiziellen Begründung glauben machen will – und kann. Vielleicht sind sie gar im Rathaus selbst zu suchen. Nebenbei bemerkt: Ob Haarmann sich mit dem neuen Zuschnitt einen Gefallen tut, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.