Karawane durch den Karneval
12.02.2012 | 17:01 Uhr 2012-02-12T17:01:00+0100
Dinslaken.Die Karawane zieht weiter, Cocolores heben ab und die Burgladies entern die Piratenschiffe der Karibik, während in der Gaststätte Isselhorst die Raketen steigen. So ließe sich die Prunksitzung in der Session 2011/2012 der KG Rot-Gold zusammenfassen.
Aber allein die Tatsche, dass diese gleich an zwei Abenden durchgeführt wurde, wäre Grund genug, sie ausgiebig zu würdigen. Und dann ist da ja noch das größte Pfund, mit dem die Rot-Goldenen wuchern können. Ob Tanz, Comedy oder originelle Darbietungen irgendwo dazwischen: Bei der KG Rot-Gold ist alles selbstgemacht. 100 Prozent Karneval aus Dinslaken.
„Die närrische Karawane zieht weiter“, prangt in bunten Lettern über dem Thron der Lieblichkeit Anne I., im rustikalen Ambiente der Gaststätte Isselhorst ist sie angekommen.
Ein wenig ist es für die Altstadt-KG ja Feiern im Exil. Hennes Holtbrügge nur als Ehrenmitglied auf der Bühne, aber ohne seine Traditionskneipe im Hintergrund. Das Programmheft gedenkt Hermann Hüsken, nach dessen Tod die Ära der traditionellen Prunksitzungen „bei Hackfort“ in der Altstadthalle endeten.
Ersatz fand die KG Rot-Gold in der Gaststätte „Stammtisch“ gegenüber des OHG. Nicht in der Altstadt gelegen, mit einer kleineren Kapazität, aber voll Atmosphäre. Ein Zeltdach aus Luftschlangen spannt sich unter der Decke, jecke Pappkameraden dekorieren die Wände, die Bühne jenseits des großen, gemauerten Torbogens bietet Platz auch für große Choreographien.
Zwischenstopp in derWellness-Oase
„Die Karawane zieht weiter“, doch zunächst zieht das Tambourkorps Voerde mit samt Lieblichkeit, Gefolge und Elferrat ein. Christa Kittner begrüßt die närrische Schar, die Musiker spielen „Schatzi, schenk mir ein Foto“. Der Hit dieser Prunksitzung wird im Laufe des Abends in drei weiteren Versionen dargeboten werden. Unverzichtbar auch das Rittertorlied, es ist und bleibt das Vereinslied, auch wenn Gisela van Lierop den Rhythmus ändert. Das neue Arrangement im Viervierteltakt verleiht dem alten Schunkellied moderneren Pepp.
Fächer und fliegende Volantröcke, die Karawane hält in Spanien. Die Kichererbsen Jasmin, Katja und Stella tanzen im Flamencostil zu „Loca, loca“, im Saal steigt die erste Rakete. Weiter zieht die Karawane, eine Wellness-Oase tut sich auf der Bühne auf. Monika Kallenberg und Christa Kittner finden Schönheit in bröckelnden Gesichtsmasken, Mango Chutney-Cremes und der perfekten Kombination aus Macho und Weichei: dem „Matsch-Ei“. Die Kastellknappen klopfen sich daraufhin selbst mit Löffeln weich.
Das Klatschspiel zum immer schneller werdenden englischen Hafenlied kennt man noch aus alten „Last Night of the Proms“-Zeiten, die Jecken im Saal tippen den Rhythmus auf den Tischen mit. Wilhelm Schneider dagegen beweist, dass man auf einer Stratocaster aus Holz und Lack äußerst realistisch Luftgitarre spielen kann. Die Karawane feiert auf der Partymeile zwischen „Kölle“ und „Mendozino“, die Rot (G)-Oldies sorgen für Stimmung im Saal.
Dann starten die Überflieger des Abends durch: Die Cocolores bieten im Flugbegleiterinnen-Outfit Showtanz vom Feinsten. Flott, vielseitig, mit Witz und Elan. Anne I. hatte nicht zu viel versprochen, als sie Freitagabend eine Prunksitzung mit „Hummer“ und „Humor“ ankündigte. Ein Versprecher, ja, aber einfach ein zu schöner, um ihn zu verschweigen. Noch dazu, wo der Vater der Lieblichkeit zusammen mit Manuela Rödel mit einer tierischen Überraschungsnummer auftrumpft. Im Pinguin-Kostüm tanzen beide mit Schwimmflossen an den Füßen über die Bühne.
Mit fliegenden Beinen und merkwürdigen Schritten begeistern Kult und Kil(l)t als durch jeweils zu zweit getragene Strumpfhosen zusammengewachsene siamische Fünflinge den Saal, bevor die Burgladies ihr 25-jähriges Bestehen mit einer wahrlich jubelreifen Nummer feiern. Als Piratinnen tanzen und fechten sie zur Musik von „Fluch der Karibik“ über und unter wogenden Wellen. Ein tolle Darbietung, die sie vom ersten bis zum letzten Takt wiederholen müssen.
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