Jüdische Lieder treffen auf Jazzklänge

Das Ensemble DRAj gab im  im Betsaal Bruch ein Konzert: Manuela Weichenrieder (Gesang), Ralf Kaupenjohann (Akkordeon) und Ludger Schmidt (Violoncello).
Das Ensemble DRAj gab im im Betsaal Bruch ein Konzert: Manuela Weichenrieder (Gesang), Ralf Kaupenjohann (Akkordeon) und Ludger Schmidt (Violoncello).
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Das Ensemble DRAj trat beim Erzählcafé im Betsaal Bruch auf und begeisterte das Publikum. Das Trio präsentierte besondere Musik und interessante Interpretationen.

Dinslaken..  Der Betsaal Bruch ist gut gefüllt, als die drei Musiker des Ensembles „DRAj“ den Altarraum betreten. Sängerin Manuela Weichenrieder klärt das Publikum erstmal über den Inhalt der Stücke auf, die gleich gespielt werden sollen: „Ich werde auf Jiddisch singen. Aber wenn man genau hinhört, gibt es Worte, die man verstehen kann“, sagt sie. Dann gibt es ein Lied über das Teilen, dessen Titel ins Deutsche übersetzt „Alle Brüder“ bedeuten würde. Und dabei demonstrieren die drei Musiker direkt ihren besonderen Ansatz bei der Interpretation der jüdischen Stücke. Ludger Schmidt lässt auf seinem Cello langgezogene, leicht melancholische Töne hören. Dahinter spielt Ralf Kaupenjohann auf dem Akkordeon leise Akkorde. Manuela Weichenrieder singt darüber den jiddischen Text: gefühlvoll und emotional. Es klingt alles so, wie man es von Klezmer-Musik erwarten würde.

Dann folgt allerdings ein kleiner Bruch. Aus den langgezogenen Cello-Tönen wird eine jazzig groovende Basslinie. Manuela Weichenrieder stimmt melodischen Scat-Gesang an und Ralf Kaupenjohann lässt scheinbar improvisierte Soloklänge ertönen. Aus der jiddischen Musik ist eine jazzige Nummer geworden. „Es sind alles traditionelle, jiddische Lieder, aber wir haben nicht den Anspruch, sie originalgetreu aufzuführen“, erklärt die Sängerin. „Stattdessen versuchen wir, ihnen einen neuen musikalischen Rahmen zu geben.“

Und diese Kombination aus traditionellen Texten und Tönen und modernen Arrangements kommt beim Publikum im Betsaal an. Ob es nun Lieder über Alltagsprobleme wie Hunger sind oder es sich um glückliche oder unglückliche Liebesgeschichten dreht, die drei Musiker treffen immer die richtigen Töne, bringen die Emotionen aus den Geschichten, die Manuela Weichenrieder vor den einzelnen Stücken immer kurz erzählt, in der Musik zum Ausdruck. Dabei gibt es aber nicht nur Tragisches zu hören, was auch an der Themenvielfalt liegt, die sich nahe am Alltag orientiert.

So stimmen die drei Musiker mit dem Stück „Diregelt“ (zu deutsch „Türengeld“) ein Klagelied über zu hohe Mieten für zu schlechte Unterkünfte an. Da kann man kaum anders, als ein wenig zu schmunzeln. Aber ebenso wie dieser Humor und die Freude werden in der Interpretation der Lieder auch Gefühle wie Sehnsucht und gar Verzweiflung spürbar, wenn es sich zum Beispiel um verloren gegangene, geliebte Menschen geht. Dann werden die schwierigen Lebensumstände, unter denen die Juden im Laufe der Geschichte immer wieder zu leiden hatten, auch in der Musik spürbar.

Am Ende ist es aber die musikalische Virtuosität und die ungemeine Spielfreude der drei Mitglieder des Ensembles „DRAj“, die den Geschichten in den traditionellen Liedern neues Leben einhauchen und das Publikum mitreißen. So gibt es am Ende langanhaltenden Applaus für die drei Musiker, die sich bei ihren begeisterten Zuschauern mit einer Zugabe bedanken.