Jecke trotzten der Kälte
14.02.2010 | 20:35 Uhr 2010-02-14T20:35:00+0100Voerde. Etwa 35000 Besucher säumten beim Karnevalszug in Voerde die Straßen. An der Spitze des Zuges fuhr der Mottowagen zur Voerder Local-Hero-Woche.
Hut ab und helau - mit gleich zwei Gesten begrüßt ein Jeck auf dem Wagen des Karnevalvereins Blau-Weiss Dinslaken die Menschen am Straßenrand: Eifrig schwenkt er seine Kappe, ruft dazu den bekannten Karnevalsruf. Viele der Besucher auf der Straße erwidern nur durch Rufe seinen Gruß.
Zum Hüteschwenken ist es am Sonntagmorgen einfach zu kalt und zu nass. Die vielen kreativen Kopfbedeckungen dienen in diesem Jahr nicht nur ästhetischen, sondern auch praktischen Zwecken: Dem Wind- und vor allem Schneeschutz. „Ich habe kurzfristig ein anderes Kostüm gebastelt”, erzählt eine Piratin. Zu einer Seeräuberin passe die dicke Wollmütze und der Hut mit der breiten Krempe schließlich perfekt.
Doch die Kälte bahnt sich ihren Weg auch durch die dicke Kleidung, die Piratin reibt sich fröstelnd die Hände. „Ach, das ist doch nichts im Vergleich zu anderen Jahren”, meint ein älterer Herr. „Wir hatten hier schon mal minus 14 Grad.” Das sei aber schon fast 20 Jahre her. Er erinnert sich an die Züge damals: „Früher sind die Vereine noch mit Pferden durch die Stadt gezogen.” Statt Pferden sorgen heute Trecker und Lkw für das bewegte bunte Treiben. Genug zu schauen gibt es immer noch. Neben den traditionellen Karnevalsvereinen sticht in diesem Jahr der Kulturhauptstadtwagen an der Spitze des Zuges, der unter dem Motto „Voerde und Kultur ist Karneval pur” steht, hervor. Der Wagen macht auf die Voerder „Local Hero”-Woche aufmerksam, die gestern startete. Im Kulturhauptstadtfieber präsentiert sich auch der Wagen des „1. KV Jeck in Hünx'”: „Das Ruhrgebiet macht Kultur, wir Hünxer haben die Natur”, steht auf dem Wagen. Passend dazu warfen sich die Karnevalisten in Gärtnerkostüme, ausgestattet mit Gießkannen. Im Kontrast zu ihrer Sommerstimmung herrscht am Straßenrand teils wieder Weihnachtsatmosphäre. Nikoläuse mit Rauschebärten und Zipfelmützen sammeln sich gerade. Daneben weht der Duft von Glühwein aus einer Thermoskanne.
Ein Sombrero gegen die Kälte
„Hüpfen, hüpfen”, lautet dagegen das alkoholfreie Rezept des 1. Dinslakener Narrenkomitees, der Dinslakener Pinguine, aus dem Mikrofon. Eisbären und Schneemänner sorgen auf dem Wagen für Stimmung. Ein besonderer, wenn auch nicht von allen gewünschter, Service: Die aktuelle Temperaturansage: „Minus drei Grad.” Für Eisbären genau die richtige Temperatur, so der Kommentar aus dem Mikrofon. Die Eisbären auf dem Wagen nicken eifrig und winken zwei Piraten am Rande aufmunternd zu. Die haben die Kälte beim Kamelle aufsammeln vergessen. „Jetzt geht es”, meint der eine Pirat. Neben ihm schüttelt ein Mexikaner seinen Sombrero aus. Statt Sonnen- bietet der heute Schneeschutz. An Karneval ist eben alles anders, doch echte Fans lassen sich von solchen Widrigkeiten den Spaß nicht verderben. Da bleibt nur zu sagen: Hut ab vor der Voerder Feierlaune!
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