Islamwissenschaftlerin sehr gefragt

Lamya Kaddor unterrichtet in der Sekundarschule in Dinslaken.
Lamya Kaddor unterrichtet in der Sekundarschule in Dinslaken.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Lamya Kaddor unterrichtet seit 2003 in Dinslaken und ist derzeit häufig in den Medien zu sehen.

Dinslaken..  Ob Nachrichten über Salafisten aus Dinslaken, das Pegida-Phänomen oder das grausame Attentat in Paris am Mittwoch: Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die seit mehr als zehn Jahren an Dinslakener Schulen arbeitet, ist als Expertin gefragt, wenn es darum geht, Dinge zu erklären, die mit Menschenverstand kaum zu erklären sind - und die direkt oder indirekt etwas mit dem Islam zu tun haben. Am Mittwoch wurde sie vom ZDF zu Pegida befragt, dann überschlugen sich die Ereignisse in Paris.

Und am späten Abend diskutierte Kaddor im Ersten bei Frank Plasbergs „Hart aber fair spezial“ mit weiteren Gästen wie NRW-Innenminister Ralf Jäger oder dem Terrorexperten Prof. Peter Neumann über den Anschlag auf die Satirezeitschrift ‚Charlie Hebdo’, bei dem zwölf Menschen getötet wurden. Dabei forderte sie etwa muslimische Vereinigungen auf, sich deutlich und laut von dem Anschlag zu distanzieren, hatte dies Stunden zuvor mit dem Liberalen Islamischen Bund (LIB), den sie 2010 mitbegründete, bereits selbst getan .

Gestern dann zahlreiche weitere Interviews in den Schulpausen und nach dem letzten Gong. Dazwischen kam die Religionswissenschaftlerin kaum noch zum Luftholen, gab Interviews am Handy und am Mikrofon. „Die haben Dich wohl auf Kurzwahl“, bemerkte eine Nutzerin auf Kaddors Facebook-Seite zu ihrer Medienpräsenz. Wieviele Interviews es waren, konnte sie abends selbst nicht mehr zählen.

Es sei ihre Aufgabe, als deutsche Muslimin und öffentliche Person, ihre Meinung zu sagen und zwischen extremen Positionen zu vermitteln, so Kaddor, die sich zwischen Ausländerfeindlichkeit und Salafismus Anfeindungen von beiden Seiten ausgesetzt sieht. Dennoch gelte es gerade jetzt, weiter die Meinung zu sagen: Der Terrorakt in Paris habe sie gleich in doppelter Hinsicht getroffen, erstens als Anschlag auf die Meinungs- und Pressefreiheit, zweitens als Anschlag auf die vielen friedlichen Muslime in diesem Land, die zunehmend unter Generalverdacht geraten könnten.

Lamya Kaddor, die 1978 im westfälischen Ahlen als Tochter syrischer Einwanderer geboren wurde, ist als Expertin in den Medien so beliebt, weil sie weiß, wovon sie spricht, und das scharf artikuliert. Mit ihren liberalen Statements und diversen Buchveröffentlichungen (Koran für Kinder und Erwachsene, „Muslimisch Weiblich Deutsch“) stößt Kaddor auch bei konservativen Moslems bisweilen an.

Seit dem Schuljahr 2003/04 unterrichtete sie an der Grundschule und an der inzwischen geschlossenen Glückauf-Hauptschule in Lohberg im Rahmen des Projektes „Islamkunde in deutscher Sprache“. Seit dem Schuljahr 2013/2014 gibt Kaddor an der Sekundarschule das Fach „Islamischer Religionsunterricht“. Ihr Engagement geht über den Klassenraum hinaus, zuletzt beteiligte sie sich mit dem LIB am Salafismus-Präventionsprojekt „Extrem out“.

2003 schloss Lamya Kaddor ihr Magisterstudium der Arabistik und Islamwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Komparatistik an der Universität Münster ab.

Insgesamt vier Jahre (2004-2008) bildete sie an der Universität Münster islamische Religionslehrer aus und vertrat dort zwischen Juli 2007 und März 2008 die Aufgaben der Vertretungsprofessur „Islamische Religionspädagogik“. Darauf folgten Lehraufträge unter anderem an der Universität Bielefeld, der Theologischen Hochschule Wuppertal und an der Universität Duisburg-Essen.

Seit dem Wintersemester 2013/14 hat Lamya Kaddor an der Fachhochschule Münster, Bereich Sozialwesen, einen Lehrauftrag zum Thema „Muslime in Deutschland“ übernommen. Dieses Modul bietet sie dort jedes Semester an.

Momentan arbeitet Lamya Kaddor an ihrer Promotion.