In Barcelona zu Hause

Anne Jung-Wanders war einige Jahre Leiterin des Gymnasiums Voerde, bevor sie zum Ende des Schuljahres 2009/10 nach Barcelona ging, um dort Leiterin der Deutschen Schule zu werden.
Anne Jung-Wanders war einige Jahre Leiterin des Gymnasiums Voerde, bevor sie zum Ende des Schuljahres 2009/10 nach Barcelona ging, um dort Leiterin der Deutschen Schule zu werden.
Foto: Privat

Barcelona..  Annegret Jung-Wanders und ihr Mann Bernhard werden Silvester im Kreise deutsch-katalanischer Freunde bei einem ausgiebigen Essen mit Cava und Wein feiern. Ob zu Hause in Castelldefels oder im Restaurant sei noch offen. „Überragend wichtig ist, mit den Glockenschlägen um 12 Uhr Mitternacht bei jedem Schlag eine Weintraube (ohne Kerne!) zu essen und sich bei der zwölften etwas zu wünschen. Das darf man natürlich nicht verraten. Sonst wird nämlich nichts draus. Und wehe, wenn man die zwölf Trauben nicht während der zwölf Glockenschläge in den Mund bekommt; dann sieht es ganz düster aus für das neue Jahr“, schreibt sie der NRZ.

Meist werde Silvester im Kreise der Familie gefeiert bei Essen und Cava, dem katalanischen Sekt. Ohne Bleigießen oder Glückskekse. Dabei liefe der Fernseher permanent, damit man die Zeit keinesfalls aus den Augen verliert, so Jung-Wanders. Geböllert werde so gut wie nicht, auch Feuerwerkskörper sehe man eher selten. Und wenn, dann seien dabei häufiger hier lebende Expats am Werke, die von ihren heimischen Bräuchen nicht die Finger lassen können.

In Barcelona treffen sich auf der Placa de Catalunya, Placa d’Espanya, vor der Kathedrale, am Hafen, auf den Ramblas oder auf dem kleinen Platz um die Ecke in der Silvesternacht viele, meist eher jüngere Einheimische und Gäste nach dem Essen, trinken Cava, tanzen auf der Straße und warten auf den magischen Moment. „Insgesamt ist die Silvesternacht hier wohl etwas ruhiger und weniger alkoholgetränkt als in Deutschland“, schreibt Jung-Wanders weiter.

Das Weihnachtsfest werde zwar gefeiert, habe aber eine geringere Bedeutung als in Deutschland. Von viel größerem Gewicht bei Gebräuchen und Geschenken sei Reyes, das Fest der Heiligen Drei Könige. In Barcelona kommen die drei Könige aus dem Morgenland am 6. Januar mit einem Schiff im Hafen an und werden dort vom Bürgermeister und Zehntausenden Kindern begeistert in Empfang genommen. Überall in Spanien finden bunte Reyes-Umzüge statt, mit Blasmusik und Tambourkorps. Viele Kinder sind morgenländisch kostümiert, die Könige sind oft hoch zu Ross dabei. Wenn greifbar, dann setzt man auch gerne mal ein Dromedar ein.

Viele Kinder der Deutschen Schule Barcelona, die mit ihrer deutschen Familie zeitweilig hier leben oder die mit ihrer deutsch-katalanisch-spanischen Familie hier zu Hause sind, haben großes Glück. Sie bekommen nach deutscher Tradition üppige Weihnachtsgeschenke. Und dann an Reyes zusätzlich die hier üblichen Reyes-Präsente.

Wie haben wir uns eingelebt? Was ist anders als am Niederrhein? In dieser Jahreszeit scheint meist die Sonne. Bei milden Temperaturen von 14 bis 16 Grad trinkt man in der Mittagszeit bis Fünf auf den Straßenterrassen cortado (Espresso mit heißer Milch) oder vino tinto. Je nach gusto. Oder man nehme das „menu del dia“ zu sich. Optimal mit Blick aufs Meer, mindestens aber auf Palmen und pittoreske Fassaden. Da die DSB eine große, komplexe Schule sei, fordere die vielfältige Arbeit werktags ihren Tribut, schreibt sie. Eine Erleichterung: auch dies mit Blick auf Palmen, Meer und blauen Himmel.