„Immer mehr nach Dinslaken orientiert“

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Dinslaken/ Walsum..  „Wir waren ja immer mehr in diese Richtung orientiert“, sagt Aenne Fenger und weist mit einer lockeren Handbewegung Richtung Nordosten. Dorthin, wo von Walsum-Vierlinden aus Dinslaken liegt. Die Stadt, die bis zur Kommunalen Neuordnung vor 40 Jahren Kreisstadt des bis dahin selbstständigen Walsums war. 1975 wurde Walsum ein Teil von Duisburg – gegen den mehrheitlichen Willen der Einwohner, wie sich Aenne Fenger noch lebhaft erinnert. Aber die Nähe zu Dinslaken blieb. Schon allein räumlich. Und daran konnte kein politischer Beschluss etwas ändern.

Aenne Fenger kam mit ihrer Familie 1957 nach Alt-Walsum, Ehemann Heinz Fenger hatte eine Stelle in der Personalabteilung des Schachts Walsum angenommen. Die ersten Jahre war Duisburg auch noch eine Einkaufsstadt, wegen einer günstigen Busanbindung. Ein Auto hatten die Fengers nie. „Heinz konnte doch zu Fuß zum Schacht.“ Aber als das Paar mit seinen vier Kindern 1967 in den Ortsteil Vierlinden zog, stieg es aufs Fahrrad um. Und wechselte die Einkaufsstadt. „10 Minuten von hier bis nach Hertie“, weiß Aenne Fenger noch ganz genau. Bis heute schätzt sie die räumliche Nähe und das Angebot insbesondere der Neustraße. Den neuen Rock für die große Feier ihres neunzigsten Geburtstag im Dezember zum Beispiel fand sie „dank einer netten Verkäuferin“ in der Neutorgalerie, „ein imposantes Ding, an das man sich noch etwas gewöhnen muss“.

Aber auch über das Einkaufen hinaus zieht es Aenne Fenger lieber nach Dinslaken als nach Duisburg. „Ich bin gerne im Dachstudio und die Wiener Kaffeehausmusik-Nachmittage lass ich in keinem Jahr aus.“ Natürlich sei das Theater in Duisburg, das sie hin und wieder mit ihren erwachsenen Töchtern besucht, schöner und eleganter als die Spielstätten in Dinslaken, „aber wenn ich in Dinslaken zum Theater oder ins Konzert gehe, treffe ich immer Bekannte – in Duisburg nie“. Zwei ihrer Töchter sind mit ihren Familien nach Hiesfeld gezogen, der Sohn lebt mit Aenne Fenger, die seit einigen Jahren Witwe ist, nach wie vor in Vierlinden. Er war es auch, der das Glasbild mit dem Walsumer Wappen, das bei den Fengers im Flur hängt, auf dem Weihnachtsbasar der kath. Kirchengemeinde entdeckte und sofort kaufte. Aber er ist auch derjenige in der Familie, der als einziger eine besondere Beziehung zu Duisburg hat, wenn auch nicht zur Stadt als solcher: Er ist leidenschaftlicher Fan des MSV.