Im Burgtheater fliegen die Späne

Din-Event-Manager Jörg Springer und sein Team haben die Stihl-Timbersports-Series nach Dinslaken geholt.
Din-Event-Manager Jörg Springer und sein Team haben die Stihl-Timbersports-Series nach Dinslaken geholt.
Foto: privat
Wo sonst Kultur auf die Bühne kommt, geht es am 18. Juli eher ruppig zu: Die Teilnehmer des Amarok-Cups im Burgtheater können sich für die Deutsche Meisterschaft im Sportholzfällen qualifizieren.

Dinslaken..  Es gibt Holzfäller. Und es gibt Sportholzfäller. Wenn Vater in den Garten geht, um Kaminholz zu hacken, ist das im besten Fall Holzfällen. Aber sicher kein Sportholzfällen. Denn die Sportholzfäller hacken und sägen nicht einfach so. Hier geht es nicht ums Holz. Sondern der Weg ist das Ziel: Es geht ums Tempo. Um Rhythmus und Dynamik. Wer am 18. Juli beim Amarok-Cup der Stihl-Timbersports-Series im Burgtheater die Holzblöcke am schnellsten zerteilt, kann sich für die Deutsche Meisterschaft im Sportholzfällen qualifizieren.

Sechs Disziplinen

Dort, wo es bei Theater, Musik und Kabarett sonst eher um die feinen Töne geht, wo allenfalls St. Martins Mantel geteilt wird, wird es an diesem Tag laut. Und martialisch. Es gibt sechs Wege, einem Stamm zu Holze zu rücken, drei Axt- und drei Säge-Disziplinen, auf einem Brett stehend, vor dem waagerechten oder senkrechten Stamm oder direkt darauf: Springboard, Underhand Chop, Standing Block Chop, Single Buck, der Stihl Stock Saw und Hot Saw.

Geradezu Angst und Bange kann einem werden beim Anblick der Sportler, die mit Axt und Wucht auf den Stamm, auf dem sie stehen, einschlagen (Underhand Chop). Das Wissen, dass unter anderem die Beine mit Stahlstiefeln geschützt sind, beruhigt nur ein wenig.

Vor allem, weil die Sportgeräte erheblich schärfer, spitzer und schneller sind als Vaters Handsäge. Die Spezial-Äxte sind so scharf, dass sich die Sportler angeblich damit rasieren - wenn sie nicht gerade eine Pappel erlegen. Fürs Kaminholzhacken sind diese Teile ebenso wenig zu gebrauchen, wie die Motorsägen der Sportler. Die heißen nicht einfach Motorsäge. Sondern „Hot saw“. Sie müssen vor dem Einsatz erst warmlaufen und sind getunt: Sie haben einen Einzylinder-Zweitaktmotor mit bis zu 80 PS - also wie etwa ein Motorrad – und sind nur für den Wettkampf geeignet: Wer will sein Kaminholz schon mit einer 27 Kilo-Maschine und einer Kette mit 240 km/h raspeln?

30 Zentimeter in 12 Sekunden

Im Wettkampf müssen die Teilnehmer mit der „Hot saw“ von einem waagerecht verankerten Holzblock mit 46 Zentimetern Durchmesser innerhalb eines Bereichs von 15 cm drei vollständige Scheiben absägen. Bei einer weiteren Disziplin, dem „Standing Block Chop“, dem senkrechten Durchschlagen eines 30-Zentimeter-Holzblocks mit der Axt, liegt der aktuelle Weltrekord des Neuseeländers Jason Wanyard bei 12,33 Sekunden. Kann man ja mal im Garten versuchen.

Entwickelt hat sich der Sport aus den Waldarbeitswettkämpfen im australischen Tasmanien. Um die Besten ihres Standes zu ermitteln, veranstalten die Waldarbeiter dort von jeher lokale Wettkämpfe im Holzfällen. Aus diesem Kräftemessen haben sich im Laufe der Zeit professionelle Veranstaltungen entwickelt. Mittlerweile gibt es nationale und Weltmeisterschaften, die Shows sind Publikumsmagneten.

Der Amarok-Cup in Dinslaken ist der zweite und somit entscheidende Ausscheidungswettkampf der Stihl Timbersport Series 2015. Die hier erzielten Punkte gehen in die Gesamtwertung ein. Die besten Zehn der Saisontabelle lösen das Ticket für die Deutsche Meisterschaft am 30. August in Köln. Der Gewinner vertritt Deutschland bei der Weltmeisterschaft und kämpft mit den zwölf besten Sportholzfällern, darunter die Stars der Szene aus den USA, Kanada und Neuseeland, um den Weltmeistertitel.

Das Holz, so verspricht der Veranstalter übrigens, „wird im Anschluss an die Veranstaltungen weiterverwertet.“

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