Im Bergpark gegen die Schwerkraft

David Kramer und Nina Püschel betreiben den Trendsport Calisthenics im Bergpark Lohberg.
David Kramer und Nina Püschel betreiben den Trendsport Calisthenics im Bergpark Lohberg.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Für David Kramer und Nina Püschel ist der Parcours wie ein Fitnessstudio unter freiem Himmel. Mehrmals in der Woche trainiert das Paar aus Lohberg dort

Dinslaken..  Wer in letzter Zeit mal im neuen Lohberger Bergpark spazieren war, dem dürften die merkwürdigen Stangen, Gerüste und Betonklötze abseits des Weges aufgefallen sein. Was so aussieht wie ein futuristischer Spielplatz, ist für den Kenner jedoch ein Parcours-Park oder eine Art Fitnessstudio unter freiem Himmel.

Wie eine Fahne unter Spannung hängt David Kramer mit seinem Körper horizontal zum Boden. Die Hände fest an einer Stange, hält er sich einige Sekunden in der Luft. „Human Flag“ heißt die Figur, die David da zum Besten gibt. Seine Freundin Nina Püschel hängt einige Meter daneben in der Schwebe – ihr Oberkörper und ihre Beine formen ein „L“.

Geradezu mühelos, so scheint es, trotzen die beiden den Gesetzen der Schwerkraft. Hier noch „Backleaver“, bei dem David wie eine ausbalancierte Waage unter der Stange hängt – da noch ein paar einarmige Klimmzüge. Doch was so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit die Arbeit von regelmäßigem und ausdauerndem Training. Drei bis fünf Mal die Woche trainiert das Paar aus Lohberg. Doch was steckt hinter den kuriosen Übungen?

Calisthenics heißt der Sport, bei dem es darum geht, nur mit dem eigenen Körpergewicht zu trainieren. Externe Gewichte zum Muskelaufbau sind dabei tabu. Das Ganze wirkt dann wie eine aufgemotzte Version von Reck- und Barrenübungen, die bei so manchem noch böse Erinnerungen an den Sportunterricht wecken dürften. Doch von Zwang kann bei David und Nina keine Rede sein: „Es ist völlig frei, du kannst es überall machen und es kostet nichts“, schwärmt der 24-Jährige.

Vor drei Jahren, als David ein paar Kilos abnehmen wollte, ging er zunächst ins Fitnessstudio. Das Standardtraining, bei dem zusätzliche Gewichte die Intensität der Übungen erhöhen, wurde ihm jedoch nach einiger Zeit zu eintönig. Über Youtube-Videos aus den USA und Russland wurde er dann auf Calisthenics aufmerksam. „Das ist unfassbar, was die können“, erinnert sich David an seine ersten Eindrücke von dem Sport.

Seine Begeisterung übertrug sich schnell auf Freundin Nina. Auch die 25-Jährige sieht in den Eigengewichtübungen eine gute Möglichkeit, Spaß zu haben und trotzdem effizient zu trainieren. „Es ist nie langweilig, weil man die Übungen einfach abwandeln kann“, erklärt sie. Nina verweist zudem auf einen weiteren Vorteil: „Ich als Frau möchte nicht mit Gewichten trainieren“ – und damit steht sie nicht alleine da. Denn gerade Frauen stehen dem Bodybuilding-Sport oft skeptisch gegenüber, verzichten lieber auf zusätzliche Gewichte.

Längst sind Fitnessstudios auf den Zug aufgesprungen, bieten Geräte, mit denen Calisthenics-Sportler ihrem Hobby nachgehen können. David und Nina geben sogar Kurse, in denen Interessierten der Trendsport im Studio näher gebracht wird. Statt akrobatischer Einlagen stehen dort jedoch zunächst Basisübungen auf dem Trainingsplan, etwa Klimmzüge oder Liegestützen. Zunächst ist es wichtig, diese Übungen drauf zu haben, erklärt David. Darauf aufbauend kann man dann weitere Übungen einstudieren. Der Kreativität sind dabei „fast“ keine Grenzen gesetzt.