„Ich lasse gleich den Saal räumen“

Was wir bereits wissen
Vorzeitig zieht sich Jochen Hinninghofen als Richter des Amtsgerichts Dinslaken ins Privatleben zurück. Der bald 63-Jährige verabschiedete sich von seinen Mitstreitern.

Dinslaken..  Zum Abschied muss Jochen Hinninghofen einmal selbst auf der Anklagebank platznehmen. Die Anklage: Verabschiedung in den vorzeitigen Ruhestand. Der 62-jährige Richter gesteht seine Tat. Urteil: Die sofortige Bewirtung der langjährigen Weggefährten, die zu seinem letzten Verhandlungstag am Amtsgericht gekommen waren. „Ich lasse gleich den Saal räumen“, hatte Hinninghofen scherzhaft vor Beginn seiner letzten Verhandlung gesagt, als er seine langjährigen Mitstreiter im Zuschauerraum sah. Der Angeklagte, der von Mikrochips in seinem Nacken, Übergriffe von Rockerbanden und der Angst, zum Transvestiten gemacht zu werden (wir berichteten), war dabei einer der kuriosesten Fälle, die er selbst erlebt hat. „Dass sich jemand mit so einer Aussage auf die Anklagebank setzt bei einem Strafverfahren, habe ich noch nie erlebt“, sagte Hinninghofen nach der Verhandlung.

Ansonsten geht der Richter, der im Februar 63 wird und damit die Altersgrenze für den vorzeitigen Ruhestand erreicht, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Seit Januar 1983 war Jochen Hinninghofen als Richter am Amtsgericht Dinslaken aktiv. Er kümmerte sich vor allem um Strafsachen, später auch um Verfahren im Betreuungsrecht. „Ich habe viele schöne Dinge erlebt, aber auch einige nicht so schöne“, erklärt der scheidende Richter. „Wenn man zum Beispiel Drogensüchtige sieht, die in wirklich ärmlichen Verhältnissen leben, ist das natürlich nicht gerade toll. Aber man darf diese Dinge nicht mit nach Hause nehmen“, sagt er. Auch seinen Humor zu bewahren, war dem bald 63-Jährigen wichtig. „Anders kann man manche Sachen auch nicht ertragen“, erklärte er.

In seinem Ruhestand will er sich jetzt vor allem um seine Familie kümmern. Gemeinsam mit Schwiegermutter, Kindern und Enkelkindern lebt er in einem Vier-Generationen-Haus. „Ich werde mich jetzt mit meiner Frau vor allem um die beiden Enkelkinder kümmern“, sagt der scheidende Richter. Erstmal stand allerdings noch eine kleine Abschiedsrunde am Amtsgericht auf dem Programm. Seine Kollegen hatten ihn einen Kuchen gebacken, auf dem – wie es sich für Juristen gehört – auch ein Paragraf zitiert war. Und zwar Paragraf 16 aus dem Wehrstrafgesetz – der das unerlaubte Entfernen von der Truppe behandelt. Jochen Hinninghofen kommentierte das mit einem schallendem Lachen. Seine Kollegen hätten ihn wohl gerne weiter am Amtsgericht behalten.