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Hörbar klassisch

17.06.2012 | 20:00 Uhr
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Hörbar klassisch
Das Dinslakener Kammerorchester spielte in der Dorfkirche Hiesfeld. Foto: Jochen Emde

Dinslaken. Werke für Orchester mit Solisten, für reine Streicher- oder Bläserbesetzungen und eine Ouvertüre zum Schluss bot das Sinfoniekonzert des Dinslakener Kammerorchesters am Samstag in der Dorfkirche in Hiesfeld.

„Hören“ lautete das Motto, das Publikum durfte sich über einige gehörig bekannte Melodien, einige unerhört flinke Solopassagen und hörbar schöne Klänge und einige Anekdoten der Kategorie „hört, hört“ freuen.

Albert Lortzings Name ist mit der Oper „Zar und Zimmermann“ verbunden, er schrieb aber auch Stücke fürs Orchester. Hendrik Gruber übernahm in der Dorfkirche den Solistenpart bei dem Thema und Variationen für Trompete und Orchester. Der dramatische Einstieg ist Opern-Donner, das Thema selbst ist heiter wie Sonnenschein nach Regen. Ein ähnlicher Stimmungswechsel zeichnete sich auf Hendrik Grubers Gesicht nach dem Schlussakkord ab: Die Anspannung wich einem Lächeln. Der Grund für die Befangenheit des „Jugend-musiziert“-Bundeswettbewerbsteilnehmers: Er hatte die letzte Woche mit dem Landesjugendorchester in Frankreich verbracht, spielte in Verdis Requiem die Echo-Trompete. Erst am Vorabend des Konzertes konnte er wieder die Vorbereitung auf sein virtuoses Solo aufnehmen.

Für Zwillingsbruder Thorben Gruber lag der Schwerpunkt woanders: Emmanuel Chabrier hat sein hochromantisches Larghetto für Horn und Orchester für einen Wettbewerb geschrieben. Ihm kam es beim Komponieren allerdings nicht auf die Fingerakrobatik an, sondern auf den Ausdruck und den schönen Ton des Horns. Ein Stück zum Schwelgen in der Musik. Was auch für die populäre Romanze in F-Dur von Ludwig van Beethoven gilt. Elke Lindner, erste Geige des Kammerorchesters, trat als Solistin auf.

Nasskalt war es draußen und die Feuchtigkeit zog auch in die Kirche. Sebastian Rakow brach Carl Maria von Webers Concertino für Oboe, Bläser und Kontrabass nach wenigen Takten für einen Neustart ab: Wenn schon ein Stück für das von Weber so selten bedachte Instrument, dann soll die Oboe auch optimal klingen. Rena Hienzsch griff zum Wischtuch und danach entfaltet konnte sich der Klang entfalten.

Auch Antonín Dvořak legte noch mal nach: nachdem der zweite Satz seines Streichquartetts ein derart großer Erfolg war, arrangierte er es als Notturno op. 40 für Streichorchester neu. Streicher, die aus nachtschwarzer Tiefe entsteigen, später bei der Beschleunigung der wogenden Melodie ein Kontrabass mit spürbarem Pulsschlag.

Schubert machte auf Rossini

Munterer geht es bei den fünf Tänzen aus der Carmina Burana für zehn Bläser zu: Die kleine Suite endet mit „In Taverna“. „Da geht’s auch gleich fürs Orchester“, verkündet Rakow - und plaudert aus dem Nähkästchen seiner Familie. Als der Schuldirektor ihm und seinem Bruder Ende der Siebziger weismachen wollte, Carl Orff (1895 – 1982) sei schon tot, schaute Mutter Rakow im Berliner Telefonbuch nach und hatte bald tatsächlich eine entfernte Verwandte des Komponisten am Apparat: „Ja, er lebt noch!“

Ungewöhnlich lebhaft, heiter und mitreißend geht es auch bei Franz Schuberts Ouvertüre im italienischen Stil D-Dur zu. Kein Wunder, er schrieb sie nach dem Motto: „Das kann ich auch“ nach Art der damaligen Rossini-Mode: Abgehört!

Der Applaus war lang, eine Zugabe gab es allerdings nicht. Wer das Kammerorchester noch mal hören wollte, für den - und für alle anderen Zuhörer – gab es das Konzert noch einmal am Sonntag in der Erlöserkirche.

Bettina Schack

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