Hier wird gequatscht und gekauft

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Dinslaken..  Die Zeichen des Wochenmarktes sind schon auf dem Weg dahin zu sehen. Im Samstagmorgen-Nebel tragen Männer und Frauen spazierend Plastiktüten, stoßen einen Rauchschwall aus, der zum Himmel steigt. Zu Hause werden die Tüten ausgepackt und das, was man eben braucht, in die Schränke sortiert. Der Wochenmarkt in Lohberg versorgt die Menschen mit dem Nötigsten. Eier und Kartoffeln aus eigenem Anbau können auch Schätze sein, die das Leben schön machen. Ihre Produkte bieten die Händler teilweise ab fünf Uhr morgens an. Auch bei klirrender Kälte. Und manche schon seit 40 Jahren.

„Was soll ich sagen, es geht immer weiter“, grinst Bernhard Bellingröhr. Das ist wörtlich gemeint. Seit drei Generationen verkauft die Familie ihre Selbsterzeugnisse auf den Wochenmärkten. Schon die Großeltern fuhren von Eppinghoven nach Lohberg, um Eier und Kartoffeln anzubieten. Rund 40 Jahre steht nun auch Bellingröhr auf dem Markt und hat mittlerweile jeden gesehen: „Kennse doch bald alle.“ Wegen der Treue der Kundschaft sind die Geschäfte in Ordnung: „Man ist zufrieden.“

Der Wochenmarkt in Lohberg ist nicht groß, der Charme hingegen riesig. Beim Bummel über den Platz begegnet man Freunden und Nachbarn, diskutiert vor dem Bäcker-Wagen über Schalkes Neuzugänge und die anstehende Renovierung des Badezimmers, erkundigt sich nach den Söhnen und Töchtern. Man quatscht und kauft. Ganz egal, welcher Kultur man angehört. „Multi-Kulti ist das hier“, sagt Erika Flemming, die seit über zwei Jahrzehnten den Blumenstand betreut. Zuvor war sie in Walsum, dann ging es in die Bergarbeitersiedlung. Die nachbarschaftliche Atmosphäre ist die gleiche: „Ich komme gerne nach Lohberg. Man kommt hier ins Gespräch mit den Arbeitskollegen und der Kundschaft. Das ist gut.“ Zu tun ist selbst in den Wintermonaten viel.

Wer als Händler einen Platz ergattert, kann sich glücklich schätzen. Kleider-Verkäufer Engine Aktas etwa musste gefühlt eine Ewigkeit warten, bis er seine Waren in Lohberg feilbieten konnte. 13 Jahre tourt Aktas als Händler durch die Region, seit sieben Jahren fährt er in den Dinslakener Stadtteil. Im Vergleich zu den Märkten in der Türkei sieht Lohberg schlecht aus. Die seien doppelt so groß und überdacht. „Wenn es regnet, ist es schlimm hier.“ In der Türkei haben die Wochenmärkte einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert. Die Menschen kommen dort generationsübergreifend hin. Hierzulande sind sie eher in der älteren Generation verwurzelt.